Gemeinschaftskonferenzen

– ein Elmshorner Modellprojekt

Hier gibt es den Zwischenbericht als Download!

Die hier beschriebenen Gemeinschaftskonferenzen werden andernorts bereits erfolgreich praktiziert. Sie sind unter dem Namen Family Group Conferences seit 1989 im neuseeländischen Jugendrecht und unter dem Begriff Herstelgericht Groepsoverleg (Hergo) seit 2006 auch im belgischen Jugendrecht verankert.

Eine Gruppe aktiver Bürger und Bürgerinnen hat sich zusammen mit dem Verein für Jugendhilfe Pinneberg e.V. unterstützt vom Kriminalpräventiven Rat der Stadt Elmshorn und von den Vertretern der zuständigen Institutionen entschlossen, dieses Mediationsverfahren auch in Deutschland zu erproben.

Die Erprobung wird wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Otmar Hagemann, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der  Fachhochschule Kiel

Das Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein unterstützt das Projekt im Rahmen der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements

Verein für Jugendhilfe Pinneberg e.V.,
Frau Heike Ritt, Tel. 04121 / 423 965

Prof. Dr. Otmar Hagemann,
E-Mail Otmar.Hagemann(at)fh-kiel.de

 

Gemeinschaftskonferenz – was ist das?

Eine Gemeinschaftskonferenz ist eine besondere Form des Täter-Opfer-Ausgleichs.

Ausgangspunkt ist eine Straftat, die sich in einer Gemeinschaft (z.B. in einer Stadt, in einer Gruppe oder Nachbarschaft) ereignet hat. Diese Gemeinschaft wird in der Gemeinschaftskonferenz durch Einzelpersonen repräsentiert. Diese können als „Täter“, „Opfer“ und „Unterstützer/Vertraute“ bezeichnet werden.

Auf der „Täterseite“ geht es Jugendliche und Heranwachsende, für die das JGG im Falle einer strafrechtlichen Aufarbeitung herangezogen würde, also im Altersspektrum von 14 bis unter 21 Jahren.

Auf der „Opferseite“ geht es um Menschen jeden Alters, die durch das Konfliktgeschehen unmittelbar und direkt (materiell, körperlich oder psychisch) geschädigt worden sind.

„Unterstützer/Vertraute“ sind all jene Personen, die von den unmittelbar Konfliktbeteiligten als solche benannt wurden und sich bereit erklärt haben, durch ihre Teilnahme Verantwortung für die konstruktive Bearbeitung des Konflikts und die Umsetzung der erstrebten Verein­barungen zu übernehmen.

 

Vorteile von Gemeinschaftskonferenzen

Aus Sicht des Geschädigten

  • In einem geschützten Raum dem Täter die Folgen seines Handeln verdeutlichen.
  • Eigene Gefühle wie Ärger, Wut, Angst usw. aussprechen.
  • Eine Antwort auf die Frage nach dem WARUM? finden.
  • Wiedergutmachung erfahren.

 

Aus Sicht des Beschuldigten

  • Um Entschuldigung bitten und Wiedergutmachung leisten.
  • Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen.
  • Das Leid der Geschädigten anerkennen.
  • Für die Zukunft lernen.
  • Keine gerichtliche Sanktion zu erhalten.

 

Aus Sicht der Gemeinschaft

  • Eine nahestehende Person in einer schwierigen Situation unterstützen.
  • Einen Konflikt nutzen, um Brücken zu bauen.
  • Die eigenen Angelegenheiten selbst bearbeiten und nicht an die Justiz abgeben.
  • Lernen den sozialen Frieden und Gerechtigkeit zu fördern.

 

Voraussetzungen und gesetzliche Grundlagen

Voraussetzungen für eine Gemeinschaftskonferenz sind z.B.:

  • Der Konflikt muss hinreichend klar sein.
  • Die Beteiligten nehmen freiwillig an der Gemeinschaftskonferenz teil.
  • Sowohl beschuldigte als auch geschädigte Person werden durch eine Vertrauensperson (nicht Anwalt) unterstützt
  • Es handelt sich nicht um Bagatellkriminalität
  • Der Täter ist zur materiellen und / oder ideeller Schadenswiedergutmachung bereit

Als gesetzliche Grundlage dienen das Jugendgerichtsgesetz (JGG) und die Strafprozessordnung (StPO), die unter bestimmten Voraussetzungen die Einstellung eines Strafverfahrens vorsehen. Nach einer erfolgreichen Gemeinschaftskonferenz kann das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen.

 

Ablauf einer Gemeinschaftskonferenz

  1. Polizei und Staatsanwaltschaft halten einen Konflikt für geeignet, in einer Gemeinschaftskonferenz bearbeitet zu werden.
  2. Das Gemeinschaftskonferenz-Team nimmt Kontakt zu Geschädigten und Beschuldigten auf und informiert über das Verfahren.
  3. Sofern diese Hauptbeteiligten eine Gemeinschaftskonferenz wollen, werden geeignete Unterstützer benannt und ein gemeinsames Schlichtungsgespräch festgelegt.
  4. An diesem Schlichtungsgespräch nehmen neben der geschädigten und der beschuldigten Person und ihren jeweiligen Unterstützern zwei Mediatoren sowie ein Polizeibeamter teil.
  5. Alle Beteiligten sind aufgefordert, konstruktiv auf eine Konfliktlösung hinzuarbeiten – alle sorgen gemeinsam dafür, dass getroffene Vereinbarungen später eingehalten werden.
  6. Ein Abschlussbericht wird an das Gericht gesendet
  7. In der Regel wird das Strafverfahren nach erfolgreicher Durchführung einer Gemeinschaftskonferenz endgültig eingestellt.