Neue Heimat für Veteranen

Bunker am Eichenbergskamp soll Computermuseum beherbergen

4500 Rechenmaschinen und Computer hat der Förderverein Computermuseum Kiel e.V. in den vergangenen 26 Jahren zusammengetragen. Datenverarbeitungsveteranen wie der Tischrechner Brunsviga, das Lochstreifengerät Daro 1227-220 und einmalige Großgeräte Konrad Zuses, dem genialen Pionier der elektronischen Datenverarbeitung, bilden eine der größten Sammlungen Europas, wenn nicht der Welt. Jahrelang lagerten die Exponate verstreut über das Kieler Stadtgebiet, in ehemaligen Räumen und Gebäuden der Fachhochschule auf dem Westufer, auf dem heutigen Campus der Hochschule in Dietrichdorf, bei Privatleuten. Lange sah es so aus, als müssten die Rechenveteranen in der Schrottpresse landen, weil sich kein zentraler Ausstellungsort finden ließ. Aber nun ist eine neue Heimat gefunden, der Bunker Eichenbergskamp auf dem Campus der Fachhochschule. „Wir sind über den Gipfel, jetzt rollt es!“ Freut sich Klaus-Michael Heinze, der Kanzler der Fachhochschule Kiel.  

Hier lagert bereits ein Teil der Sammlung. Schon vor zwei Jahren hatte ein „Runder Tisch“ mit Vertretern des Wissenschaftsministeriums, der Staatskanzlei, des Fördervereins, der Fachhochschule und einiger Firmen den Bunker als möglichen Kandidaten für eine ständige Ausstellung ins Auge gefasst. Doch damals war der bundeseigene Bunker noch für den Zivilschutz vorgesehen. Dies ist mittlerweile nicht mehr der Fall, so dass das Land Schleswig-Holstein plant, den Bunker zu erwerben und der Fachhochschule für ihre Computerschausammlung zu überlassen. Bereits im Sommer 2009 soll der Umbau beginnen, nach Schätzung des Kanzlers der Fachhochschule kostet dieser allein eine Millionen Euro.  

In die Computerschausammlung ist im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung gekommen. Seit Anfang Oktober ziehen die Veteranen in ein Zwischenlager, eine für zwei Jahre angemietete Halle der Getreide AG im Ostuferhafen. Hier wird die Sammlung gesichtet, klassifiziert und sortiert. Einzige Ausnahme: die Großrechner Zuses, die in einer NIS-Baracke auf dem Campus lagern. Sie sind so wertvoll und empfindlich, dass sie nicht unnötig bewegt werden sollen. Alle anderen müssen sich jetzt dem kritischen Blick der Experten stellen. Dubletten werden aussortiert, an andere Sammlungen und Museen verschenkt oder an Privatleute verkauft. Manches wird wohl auch beim Schrotthändler landen. Denn nicht alles kann und soll später ausgestellt werden, nur die repräsentativsten Exponate der Sammlung ziehen am Ende in die dreigeschossige, 850 Quadratmeter umfassende Ausstellungsfläche im Bunker Eichenbergskamp.  

Die Computerschausammlung wird weder über Stammpersonal verfügen, noch feste Öffnungszeiten haben. Den Betrieb wollen - wie schon in der Vergangenheit - Mitglieder des Fördervereins Computermuseums Kiel e.V. gewährleisten. Das Ausstellungskonzept, betont Walter Reimers, der Vorsitzende des Fördervereins, werde sich an dem Konzept der Phänomenta orientieren: „Es wird kein totes Museum, wir möchten Menschen für die Technik begeistern.“  

Neugierig geworden? Dann machen Sie doch einen virtuellen Spaziergang durch die künftige Computerschausammlung.

Kiel, 10.11.2008