Heiß, staubig und wunderschön

 

MMP-Student filmt in Namibia - Erfahrungsbericht von Lars Rosenbaum

 

Das Projekt in Namibia ist eine Kooperation des Fachbereichs Medien mit der Firma „realnature.tv“ aus Kiel. Meine Aufgabe war es, eine Expedition von „Biosphere Expeditions“ in Namibia zu begleiten und die Arbeit der Teilnehmer und Wissenschaftler mit der Kamera zu dokumentieren. Eine echte Herausforderung, denn ich musste meine Reise allein organisieren und mich allein in ein Land begeben, das ich nicht kannte und wußte nicht, was mich in Namibia erwartete. Viele Fragen beschäftigten mich auf dem Weg dort hin. Wie komme ich mit meinem Equipment ohne Probleme durch den Zoll? Wie sehen die hygienischen Bedingungen aus? Welche Krankheiten gibt es dort? Reicht mein Schulenglisch? Wie werde ich mit dem Klima zurechtkommen? Außerdem war ich während meines 14-tägigen Aufenthalts Kameramann, Redakteur und Regisseur in einem.

Biosphere Expeditions bietet eine Vielzahl von Expeditionen in der ganzen Welt an. Seit diesem Jahr auch in Namibia-Caprivi. Interessierte können sich zu einer Expedition anmelden und für zwei Wochen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit helfen, die sie alleine nicht schaffen könnten.

Am 26.10. ging es los, im Hotel Chrismar in Livingstone in Sambia trafen sich die zwölf neuen Expeditionsteilnehmerinnen und –teilnehmer, die aus Deutschland, Österreich, Frankreich, England und den USA kamen.  Es waren ganz unterschiedliche Menschen. Manager, PR-Berater, Bankkaufleute und auch Physiotherapeuten waren dabei. Zunächst einmal fuhren wir - zusammen mit dem Expeditionsleiter Peter Schütte -  rund 200 Kilometer im Kleinbus zur Grenze Sambia/Namibia, wo die beiden Wissenschaftler der Expedition Julia Gaedke und Francois de Wet bereits auf uns warteten. Im Geländewagen ging die Fahrt weiter bis ins Camp. Zunächst ein kurzes Stück auf asphaltierter Straße, dann 200 Kilometer auf einer befestigten Sandstraße Richtung Westen durch das Steppengebiet von Namibia-Caprivi. Die Straße war zwar befestigt, jedoch sehr staubig und zum Teil sehr holprig. Wir waren froh, dass die Fahrzeuge Klimaanlagen hatten, denn bei 40°C im Schatten wäre die Fahrt sonst nicht auszuhalten gewesen.

Julia Gaedke und Francois de Wet hatten das Camp Anfang des Jahres am Rande des Mamili - Nationalparks aufgebaut und eingerichtet. Weit ab von jeglicher Zivilisation, mitten im „Nirgendwo“ und ziemlich spartanisch. Unser Wasser, zum Trinken, Kochen und Waschen wurde aus einem nahegelegenen Fluss ins Camp gepumpt, es gab eine Toilette und eine Dusche, jeder Teilnehmer hatte seine eigene Strohhütte mit Bett und Moskitonetz.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, belehrten uns die beiden Wissenschaftler über das Leben in der Wildnis sowie mögliche Gefahren durch Wildtiere, Schlangen und gefährliche Insekten und erklärten uns ihre Arbeit. Hauptaugenmerk liegt dabei auf die bestehenden Konflikte zwischen den Menschen, die am Rande des Nationalparks leben und den Raubtieren. Immer wieder reißen diese Rinder und Ziegen, ein hoher finanzieller Verlust für die verarmte Bevölkerung. Die Aufgabe der Expeditionsteilnehmer bestand darin, die Wissenschaftler bei Ihrer Arbeit in den National-Parks mit den Wildtieren (Elefanten, Büffel, Nilpferden, Warzenschweinen, Löwen, Leoparden, Hyänen, Wildhunden etc.) und der Arbeit in den Communities zu unterstützen.  

In Gruppen aufgeteilt übernahmen die Teilnehmer verschiedene Aufgaben. Sehr wichtig war der Kontakt zu den Menschen, so wurden täglich Gespräche mit den Einwohnern geführt, um herauszufinden wie groß der Konflikt zwischen Mensch und Tier ist und wie geholfen werden kann.

Gleichzeitig war auch immer eine Gruppe damit beschäftigt, die Dörfer und die Umgebung mit GPS-Geräten zu kartografisieren. Denn aktuelle Karten von diesem Gebiet gibt es nicht, mit den so gewonnenen GPS-Daten sollen neue erstellt werden.

Die Arbeit in den National-Parks besteht darin, herauszufinden, welche Tiere dort leben und wie groß das Nahrungsangebot für Raubtiere ist. Mit Geländewagen werden täglich festgelegte Routen durch die Nationalparks abgefahren, alle Wildtiere gezählt, mit der Hilfe von GPS wird außerdem genau markiert, wo sich die Tiere aufhalten. Dabei geht es natürlich vor allem um Raubtiere wie Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen und Wildhunde. Sie aufzuspüren, ist nur mit Hilfe der Wissenschaftler möglich. Die Teilnehmer müssen zu Fuß Spuren suchen, um festzustellen, wo sich die Tiere im Park aufhalten, um sie dann nachts aufzuspüren, einzufangen und mit GPS-Halsbändern zu versehen.  

Langfristiges Ziel dieser Expedition ist, mithilfe der gewonnenen Daten ein System zu entwickeln, mit dem die Einwohner rechtzeitig gewarnt werden können, wenn sich Raubtiere zu nah an die Siedlungen heran wagen.   Meine Aufgabe bestand darin, die Teilnehmer bei ihrer Arbeit mit der Kamera zu begleiten. Geschnitten wird das Material zunächst von realnature.tv.

Zu sehen sein wird der Film auf www.realnature.tv. Zudem wird das Material von Realnature-Expedition verschiedenen Fernsehsendern angeboten.

Die Arbeit war für mich sehr aufregend, spannend, aber auch anstrengend. Das heiße Klima machte das Ganze nicht einfacher. Ich musste nicht nur immer mein ganzes Equipment auf dem Rücken mitschleppen, sondern auch immer genügend Wasser dabei haben, da man bei 40 °C im Schatten schnell austrocknet. Zumal es dort in der Steppe kaum Schatten gab. Die Arbeit hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht.

Man lernt schnell, mit dem zufrieden zu sein, was man dort hat. Und wir hatten nicht viel. Wir hatten uns und die Natur und weit und breit keine Zivilisation. Mir war es wichtig, ein Teil der Expedition zu sein und mit meiner Arbeit nicht im Mittelpunkt zu stehen. Im Großen und Ganzen war es eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Mein Wunsch für die Zukunft wäre, in diesem Bereich weiter arbeiten und durch die Welt touren zu können.