Jede Schraube wurde genauestens überprüft

Fachhochschule Kiel produziert Show für ESA

Kiel, 21. April 2009

Seit über einem Jahr arbeitet Isabella Buczek an der Planetariumsshow „Augen im All“. Die Produktion am Mediendom der FH Kiel entsteht im Auftrag eines Konsortiums von 30 Planetarien und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Am 07. Mai feiert „Augen im All“ Premiere, in Berlin, Luzern und Wien. Anschließend wird die Show in 30 deutschsprachigen Planetarien zu sehen sein, im Kieler Mediendom ab dem 15. Mai.

Isabella Buczek kommt etwas zu spät zum Interview. Sie musste noch schnell ein paar Dateien nach London schicken, dort entsteht eine englische Version ihrer Planetariumsshow. Die Frau vom Marketing, erzählt Isabella Buczek ein wenig ungläubig, habe nach einer VHS-Kassette gefragt. Eine Videokassette, das erscheint heute geradezu altmodisch. Mit dieser Technik beschäftigt sich die 28jährige schon lange nicht mehr. Ihre Arbeitswelt besteht aus Fulldomekuppeln, 3-D Animationen und leistungsstarken Computer.

Einhundert Seiten umfasste das englischsprachige Angebot für die ESA, mit dem alles begann. Zum Internationalen Jahr der Astronomie 2009 hatte die Weltraumorganisation eine Produktion über die Geschichte der Erforschung des Weltraums ausgeschrieben. Eine anspruchsvolle Aufgabe: Wissenschaftlich und trotzdem anschaulich soll der Bogen geschlagen werden von Galileo Galileis erstem Blick durch ein Fernrohr vor 400 Jahren bis zum Start der Ariane Rakete im Mai diesen Jahres.

Genau die Art von Herausforderung, die Isabella Buczek liebt. „Das ist keine Arbeit, sondern Spaß“, sagt sie. Und spricht dabei über die Leitung eines Produktionsteams, das zeitweise 100 Menschen umfasste. Über die Arbeit mit Technologien, die während der Produktion entwickelt wurden. „Zusammen mit dem Mediendom ist das einfach, hier sind einfach viele talentierte Leute versammelt. Alle waren da, als hätten sie nur darauf gewartet“, staunt sie selbst.

Den ersten Kontakt zum Mediendom-Team knüpfte die Kommunikationsdesignerin während ihres Studiums an der Muthesius Kunsthochschule, bei einer Produktion für die Band „Fury in the slaughterhouse“. Diese Erfahrung half später bei der Bewerbung am Planetarium in Melbourne, wo Isabella Buczek ihr Master-Studium absolvierte. Zurück in Deutschland arbeitet sie am Hamburger Planetarium, ihr größtes Projekt befasste sich mit der Himmelsscheibe von Nebra.

Und nun also Galileo Galilei und die ESA. Letztere liefert die wissenschaftlichen Details und zuvor nie veröffentlichte Satellitenaufnahmen. „Alles muss superkorrekt sein“, erklärt Isabella Buczek. „Die ESA hat Astronomen aus Madrid und Noordwijk eingeflogen, die von uns designten Satelliten wurden von ESA-Ingenieuren überprüft.“ Gut, dass die 3-D-Designer Bastian Barton, Martin Kossmann, Joachim Perschbacher und Bob Weber so detailverliebt sind. „Ich als Frau finde es ja nicht so spannend, jede Schraube einzeln zu modellieren, aber die können sich da voll reinknien.“

Profitiert hat die 28jährige auch vom Netzwerk des Mediendoms. Immer wusste jemand die richtigen Strippen zu ziehen. Ob es nun die Suche nach geeigneten Räumen für Dreharbeiten war oder der Kontakt zum Kieler Theater. Mit der Einbindung von Schauspielern in die Produktion erobert Isabella Buczek Neuland. Planetariumsshows sind normalerweise vollständig 3-D animiert. Nicht so bei „Augen im All“. Hier agierten fünf Mitglieder des Kieler Ensembles vor einem Greenscreen, gefilmt von einer speziellen Fish-Eye-Kamera. So konnten später vollendete, virtuelle Hintergründe hinzugefügt werden. Die Fish-Eye-Kameratechnik wurde auch im Satellitenkontrollzentrum der ESA in Darmstadt verwendet, in dem das Team drehte. Galileis Villa war natürlich eine ganz andere Geschichte. Sie entstand am Computer. Um Stoffe, Möbel, das ganze Interieur möglichst „originalgetreu“ zu modellieren, besuchte Isabella Buczek Burgen des 17. Jahrhunderts und fotografierte Möbel, Teppiche und Vorhänge. Es sind die Details, die diese Produktion ausmachen. Selbst der Bart von Galileo Galilei wurde heftig diskutiert. Den italienischen Mathematiker verkörpert übrigens der Kieler Schauspieler Matthias Unruh. Als dieser zum ersten Mal zum Set kam, in Motorradkluft, sei sie skeptisch gewesen, erinnert sich Isabella Buczek. „Das soll mein Galileo Galilei sein, habe ich mich gefragt, Ich habe ihn dann in die Maske geschickt und eine halbe Stunde später kam er raus. Völlig verwandelt, die Gestik, die Art zu sprechen, alles! Das war mein Galileo.“

Die Kommunikationsdesignerin lacht bei dieser Erinnerung. Ihr ist anzusehen, wie viel Spaß sie bei der Arbeit hatte und wie viel Herzblut sie in die Show gesteckt hat. Ist sie jetzt, rund drei Wochen vor der Premiere eigentlich nervös? „Nein, jetzt sind wir doch nicht mehr nervös. Das Werk ist vollendet und wir haben 100 Prozent gegeben. Wir sind jetzt nur noch gespannt und voller Vorfreude.“

Mehr über "Augen im All" finden Sie unter www.planetariumshow.eu