Nicht ist, wie es scheint

Inga Momsens Scheinwelten ab 22. April im Bunker-D

Kiel, 21. April 2009

Morgen (22.04.09) um 18 Uhr wird „Die Vierte“ Bunker-D-Woche eröffnet. Herzstück dieser Woche ist die Ausstellung „Scheinwelten“ von Inga Momsen. Acht ganz unterschiedliche Räume werden bis zum 27. Mai zu sehen sein.

Sie lacht immer noch, obwohl sie seit 14 Tagen kaum Tageslicht sieht, bei strahlendem Sonnenschein ihre Scheinwelten im staubigen Bunker-D aufbaut und eigentlich einfach nur furchtbar gestresst sein müsste. Morgen um 18 Uhr ist Eröffnung, großer Bahnhof mit Staatssekretär und allem, was so dazu gehört. Die Ausstellung ist aber noch nicht fertig, in einem Raum rutschen die Eltern der Künstlerin auf Knien, um den Boden mit der so ziemlich scheußlichsten Tapete zu tapezieren, die man sich vorstellen kann: psychedelisch lila, schreiende 70ger Jahre. Und auf Inga Momsens Arbeitszettel steht auch noch so einiges, ein Wasserfall zum Beispiel, Kunstrasen und ein Springbrunnen. Aber Inga Momsen strahlt, ansteckend fröhlich und erfrischend ist sie, genauso wie ihre Kunst. Die verwirrt und führt die Sinne des Betrachters aufs Glatteis:

„Wir werden im Alltag so mit Bildern überflutet, da denken die Leute schnell, ‚Ach, das habe ich schon gesehen, kenn’ ich schon!’ Und dann gucken sie gar nicht mehr hin. Ich möchte, dass sie stolpern und zweimal hingucken. Deswegen sind meine Räume etwas für die Ohren, die Augen und die Hände. Nur für den Geschmack habe ich nichts“ , erklärt Inga Momsen.

Das macht nichts, es reicht auch so. Der Raum mit der schrillen Tapete zum Beispiel. Selbst im halbfertigen Zustand drängt er sich geradezu unverschämt auf. Das weiß Inga Momsen natürlich, das ist Absicht. Aber Inga Momsen ist ja nett und deswegen folgt auf „Mimikry“ der „Garten“, kniehoch der Kunstrasen, die Luft ganz blau und verträumt, fröhliche Gummitiere bevölkern den Springbrunnen, unter der Decke hängt eine große freundliche Sonne. Einen Raum weiter huschen die Schatten von Tieren über die Bunkermauern, Löwen sind es aber nicht…

Studium in Kiel und Bremen

Ihr Studium der Bildhauerei hatte Inga Momsen an der Muthesius Kunsthochschule begonnen, aber weil sie am liebsten modelliert und mit ganz unterschiedlichen Materialien arbeitet, wechselte sie bald nach Bremen. Doch in Kiel hatte sie FH-Kanzler Klaus Heinze kennengelernt, damals noch Kanzler der Kunsthochschule. Und als sie ihm Jahre später ihr Konzept für die Scheinwelten vorstellte, griff er sofort zu und buchte die Ausstellung für den Bunker-D.

Und so können die Besucherinnen und Besucher bis zum 27. Mai auf der Galerieetage einmalige Landschaften erleben. Vom Laubengang geht es zum Mimikry, durch den Garten in die Savanne, von hier aus in den Dschungel, an den Strand und schließlich in die Grotte. Ein Stockwerk tiefer gibt es noch eine weitere Scheinwelt, die wohl realste der Ausstellung. In einem Raum, der in etwa so groß ist wie eine Telefonzelle, steht ein Monitor. Zu sehen sind hier die Bilder, die eine Kamera ein Stockwerk höher in der Grotte aufnimmt, erläutert Inga Momsen.

„Da können die Leute dann machen, was viele heute tun, vorm Bildschirm sitzen und so tun, als wäre man dabei.“ Was Inga Momsen davon hält, ist ihr anzusehen, nämlich herzlich wenig. Und es wäre auch wirklich dumm, im Bunker-D nur so zu tun, als wäre man dabei. Denn dann verpasst man eine wunderbar skurrile, eigensinnige und lebendige Ausstellung.

Mehr zur Bunker-D-Wochen erfahren Sie unter www.bunker-d.de.

Autorin: Frauke Schäfer