RoboCup 2009 – Künstliche Intelligenz auf dem Spielfeld

Kiel, 5.6.2009

Seit Anfang des Jahres ist der Fachbereich Informatik und Elektrotechnik an der Kieler FH um ein Fußballteam reicher. Allerdings spielt das Kieler RoboCup-Team eher auf der Ebene von Bits und Bytes – die Laufarbeit erledigen dann kleine Roboter.

Das Spielfeld besteht aus einem großen LCD-Bildschirm – er zeigt die virtuellen Tore, Linien und den Ball. Über das gläserne Feld flitzen die Roboter, jeder nicht viel größer als ein Würfel, und versuchen den Ball ins gegnerische Netz zu befördern. So sieht es aus, wenn ein RoboCup-Spiel ausgetragen wird. Hinter dem Ganzen steht künstliche Intelligenz, also eine Software, die auf äußere Einflüsse schnell und flexibel reagieren kann und während eines Spiels ohne Eingriffe von außen funktioniert.

Entwickelt wird diese Spielsteuerung von Studenten des Fachbereichs Informatik und Elektrotechnik. Prof. Dr. Jens Lüssem brachte die Idee von Wolfenbüttel mit nach Kiel und gründete gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Ulrich Samberg das Kieler RoboCup-Team am Institut für Angewandte Informatik. „Das passt sehr gut ins Curriculum, weil es einige Berührungspunkte gibt“, sagt Prof. Lüssem. Dazu gehört die künstliche Intelligenz ebenso wie die Bildverarbeitung. Eine Kamera filmt das gesamte Spielfeld und gibt die Daten weiter an eine Software, die die Spielzüge berechnet und die Roboter steuert. „Die bewegen sich völlig unabhängig voneinander und sollen sich als Team verhalten“, wünscht sich Lüssem. Eben ganz so wie im richtigen Fußballleben. Und wenn das nicht klappt, haben die Trainer des Fachhochschule ganz ähnliche Probleme wie die Profis am Spielfeldrand: Die Spieler reagieren nicht auf Anweisungen, die Mannschaft ist nicht aufeinander abgestimmt oder das Timing klappt nicht.

Schwierigkeiten, mit denen auch das Kieler Team zu kämpfen hat. Trotzdem konnte die Arbeitsgruppe bereits einen Monat nach ihrer Gründung einen ersten Erfolg erringen. Bei der Deutschen Meisterschaft auf der Hannover-Messe erreichten die Kieler FH-Studenten den 3. Platz in ihrer Spielgruppe. „Da hatten wir noch einige Probleme“, gibt Teamleiter Arne Gerhold zu. Doch diese seien mittlerweile lokalisiert und bis Ende Juni bleibe noch Zeit, die Programme zu optimieren, ist Teamleiter Gerhold zuversichtlich.

Dann wird das Kieler Team seine Koffer packen und zur RoboCup-Weltmeisterschaft ins Österreichische Graz fahren. 15 Teams aus der ganzen Welt werden dort gegeneinander antreten und eine Woche lang virtuell kicken. Richtiges Wettkampffieber herrsche dort, freut sich Arne Gerhold und rechnet sich für seine Mannschaft durchaus gute Chancen aus: „Der erste, zweite oder dritte Platz, das muss nicht unbedingt sein, aber oberes Drittel wäre schon schön“, hofft er. Mit den unteren Rängen gäben sie sich aber nicht zufrieden, sagt Gerhold und klingt plötzlich wieder wie ein Trainer aus dem Leistungssport: „Nur unsere KI, also die künstliche Intelligenz, muss verbessert und noch etwas robuster werden“,  findet er.

Das ist nicht nur wichtig für die kommende Weltmeisterschaft, sondern auch für die Zeit danach. Denn in Deutschland soll eine richtige Liga entstehen, mit wöchentlichen Spielen und einer Punktetabelle. Irgendwo in der Republik würde dann das Spielfeld stehen, gesteuert von Rechnern an anderen Orten. Auch Teams, die keine eigene Hardware, also Roboter und ein Spielfeld, besäßen, könnten dann via Internet an der Liga teilnehmen und so, ganz ohne zu Reisen, „auswärts“ spielen. Aber die Visionen gehen noch viel weiter. „Im Jahr 2050 soll eine Robotermannschaft eine menschliche Mannschaft auf Nationalebene schlagen können“, lacht Bartholomäus Dedersen aus dem RoboCup-Team der FH Kiel. „Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, schränkt Lüssem ein. Erst einmal möchte das Kieler Team einen guten Platz bei der WM erreichen.

Autor: Michael Neubauer

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert