Orchideen – Wunder der Evolution

Kiel, 22.06.2009

Mit "Orchideen – Wunder der Evolution" wird weltweit erstmals ein biologisches Thema in einem Planetarium präsentiert. Ralph Heinsohn vom Tilt Design Studio aus Hamburg hat das "visuelle" Drehbuch für die Produktion geschrieben, obwohl er, wie er im Interview gesteht, Biologie als erstes Schulfach abwählte und mit Blumen eigentlich gar nichts am Hut hatte. Trotzdem hat der Designer eine faszinierende, spannende und ganz und gar ungewöhnliche Show über die Evolution produziert, die jetzt am Mediendom und nach und nach in 19 weiteren Planetarien zu sehen ist. Warum sich ein Mensch mit, nach eigener Aussage "schwarzem Daumen", leidenschaftlich einem botanischen Thema widmet, wollte Frauke Schäfer erfahren.

Was haben Sie gedacht, als der Leiter des Mediendoms, Eduard Thomas, Ihnen vorschlug, an dem Projekt mitzuarbeiten?

Ich habe gedacht, oh Orchideen, was machst du denn damit, sollst du dann 40 Minuten nur Orchideenfotos zeigen oder wie? Aber dann habe ich gemerkt: Okay, es ist ein botanisches Thema, aber da ist noch etwas Kulturgeschichtliches dabei. Orchideen sind ein Sinnbild für Luxus und werden immer wieder benutzt, um Dinge aufzuwerten, zu veredeln. Das hat historische Wurzeln. Und wenn man sieht, wie Orchideenfans von Orchideen sprechen, das ist ja fast schon eine intime Beziehung. Da hat sich wirklich eine Welt geöffnet, ein Kosmos und das ist ein guter Startpunkt für ein gutes Drehbuch.



Wie haben sie sich den Orchideen angenähert? Die Show hat ja einen wissenschaftlichen Anspruch und zeigt z.B. die Tricks der Orchideen, um bestäubt zu werden. Außerdem habe sie ja alle Orchideen, die in der Show zu sehen sind, am Computer generiert.

Zunächst habe ich bei online-shops geschaut, was für (Kino-)Filme mit dem Wort "Orchidee" im Titel erhältlich sind. Bezeichnenderweise geht es dabei fast ausschließlich um Mord, Totschlag, Erotik und Exotik. Das war sehr vielsagend! Dann hat mich Martin Nickol mit in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens genommen. Er hat mir gezeigt, worauf es ankommt, wie Orchideen aufgebaut sind. Und er legt dabei eine solche Leidenschaft für Pflanzen an den Tag, die ansteckend wirkt. Er hat mir z.B. Aasorchideen gezeigt, die den Geruch von Aas imitieren, und da fliegen dann die Fliegen drauf und bestäuben die Orchidee. Ekelig, aber es wirkt. Die Orchideen haben wirklich erstaunliche Tricks auf Lager. Einige Pflanzen habe ich -ganz wie Darwin himself- seziert, um genau zu verstehen, wie sie aufgebaut sind – und sie dann am Computer nachbauen zu können.

Nicht die einzige Detailtreue, Sie haben auch das Originalmikroskop aus Darwins Wohnhaus nachgestellt.

Beim Arbeitsumfeld von Charles Darwin haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, dass es wissenschaftlich korrekt ist. Das richtet sich vor allem ans Fachpublikum, an Leute wie Martin Nickol selbst, denen die „Wahrheit“ im Detail wichtig ist. Die Wirkung ist sehr subtil, auf einer unterbewussten Ebene merkt man, dass sich die Dinge zusammenfügen, die Szenerie wird dadurch glaubhaft. Ich habe mich intensiv mit der Produktgestaltung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigt, damit die Szenerie auch dementsprechend passt.

"Orchideen – Wunder der Evolution" zeichnet ja auch die Expedition der "Beagle", des Forschungsschiffs, mit dem Darwin um die Welt segelte. Dieses Schiff haben Sie aber nicht originalgetreu nachgestellt, ebenso wenig wie das Meer, auf dem es segelt. Diese Szenerie entfaltet sich aus Papier. Warum?

Papier spielt eine ganz große Rolle in Darwins Leben. Er hat unzählige Seiten gefüllt, seine Arbeit zu Papier gebracht. Einer der wichtigsten Momente in Charles Darwins Leben war, als er einen Brief bekam, mit der Einladung, an Bord der Beagle zu steigen und die Welt zu umsegeln. Dadurch haben sich für ihn sprichwörtlich neue Perspektiven entfaltet, aus denen heraus er unsere Sicht auf die Welt verändert hat. Papier ist dafür ein schönes Sinnbild – und nicht zuletzt auch ein guter Trägerstoff, um in einer Kuppel seine zahlreichen Zeichnungen sowie Fotos von beeindruckenden Orchideen zu präsentieren. Spannend wird es, wenn ein Papierschiff auf einer Papierfläche segelt und von der richtigen Klangatmosphäre begleitet wird, so dass die Atmosphäre dann so überzeugend wirkt, als gehe man tatsächlich auf Seereise. Diese ungewöhnliche Verknüpfung ist nicht nur spannend, ich glaube auch, dass solch eine ungewöhnlicher Blickwinkel gerade für Nicht-Botaniker so viel Faszination auslöst, sich auf ein Nischenthema einzulassen, wie es die Orchideen für manchen Mediendom-Gänger vielleicht sein mögen.

An manchen Stellen hat mich die Show an Monty Pythons erinnert, haben Sie das beabsichtigt?

Oh, sie haben das Zitat gesehen, die Suche nach dem heiligen Gral aus den "Rittern der Kokosnuss". Da habe ich tatsächlich zitiert. Ja, das ist dieser englische Humor, den ich sehr mag.

Inwiefern hat sich ihr Verhältnis zur Biologie im Allgemeinen und zu Orchideen im Speziellen durch das Projekt verändert?

Sie werden es nicht glauben, aber ich habe jetzt tatsächlich zwei Orchideen zu Hause. Mein Daumen ist zwar noch nicht grün geworden, aber immerhin schon braun.

Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.orchideen-wunder-der-evolution.de  und www.mediendom.de.

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert