Sterne, Dampf und alte Rechner – die Museumsnacht 2009 auf dem Campus

06.09.2009

Eine Fahrt über die Förde auf die Ostseite Kiels wollten viele der Besucher der diesjährigen Museumsnacht nicht verpassen. Einerseits natürlich wegen der historischen Schiffe, die auch in diesem Jahr die Beförderung über das Wasser übernahmen – vor allem aber wegen des Ziels der Fahrt. Wer am Anleger Dietrichsdorf das Schiff verließ, war der Museumsnacht der Kieler Fachhochschule schon sehr nah.

Ich war bereits einige Stunden zuvor auf den Campus gekommen, denn ich hatte die Ehre ein Interview mit dem ESA-Astronauten Thomas Reiter führen zu dürfen. Eine aufregende Sache, ebenso aufregend wie das, was mir Herr Reiter über seine Erfahrungen im All berichtete. Anschließend überlegte ich kurz, ob ich auch noch seinen Vortrag besuchen sollte – war ich doch der Meinung, bereits alles erfahren zu haben.

Nachdem ich es durch die Menschentraube im großen Hörsaalgebäude auf meinen Platz geschafft hatte und Thomas Reiter mit seinem Vortrag begann, war ich mehr als froh, mich für meinen Höhepunkt der Museumsnacht entschieden zu haben. Bestens gelaunt, humorvoll und absolut verständlich berichtete er von seiner Mission „Astrolab“ auf der internationalen Raumstation ISS, von den Experimenten an Bord, von Weltraumspaziergängen, tiefen Eindrücken und überwältigenden Erfahrungen 400 Kilometer über unserem Heimatplaneten. Mitgebracht hatte Reiter faszinierende Fotos und Videosequenzen, die den rund einstündigen Vortrag wortwörtlich wie im Flug vergehen ließen.
Thomas Reiter liebt Gummibärchen. Nach einem langen Applaus gab es also von der FH eine große Tüte davon und dazu einen Astroschirm – eine Art Regenschirm mit einem Sternenfirmament in der Innenseite. Korrekt ausgerichtet weist der Schirm die Richtung nach Kiel. Thomas Reiter verstand die Anspielung und versprach, dass es ein Wiedersehen geben wird.

Mit diesen beruhigenden Worten entließ Reiter sein Publikum auf den Vorplatz des großen Hörsaalgebäudes, wo als krönender Abschluss der Start einer großen Wasserdruckrakete geplant wurde. Überhaupt gab es für Astronomiebegeisterte noch einige Stationen, so bot die Sternwarte einen Blick in den Nachthimmel über Kiel, der Mediendom präsentierte Kurzvorträge und –Programme unter dem Motto „Der Himmel auf Erden“ und wer es schaffte, unter fachkundiger Anleitung einen Origami-Stern zu basteln, konnte ein kleines Andenken sein eigen nennen.

Ich machte mich auf den Weg an einen anderen, sehr interessanten Ort an diesem Abend. Schon immer haben mich Rechner fasziniert – meinen eigenen ersten Heimcomputer musste ich noch selbst zusammenbauen. Er hatte eine Folientastatur und man konnte den Speicher in wenigen Stunden vollschreiben. Die passenden Programme schrieb man damals aus Fachzeitschriften ab. Seitdem hat es eine rasante Entwicklung gegeben und die wollte ich mir anschauen. Diese Museumsnacht war ein einmaliger Zeitpunkt – ist die offizielle Eröffnung der Computerschausammlung, übrigens eine der größten in Deutschland, doch erst in zwei Jahren geplant.

Das hatten sich auch viele andere Besucher gedacht und so gab es einen ziemlichen Andrang im Bunke-D, wo die Dinosaurier der Datenverarbeitung, wie ein alter ZUSE Z3 ausgestellt waren, ebenso wie einige Rechner, die mich an meine Jungend erinnerten. Atari, Commodore oder Schneider, wer damals ein solches Gerät besaß, der hatte oft Besuch von Freunden. In der „Retro-Abteilung“ waren die Maschinen nun alle wieder versammelt und das beste: anfassen, ausprobieren und spielen war ausdrücklich erwünscht. Geräte, bis zu 30 Jahre alt, angeschlossen und fertig installiert – bereits für einige Runden Pacman, Bomb Jack oder Tetris.

Eine Reise durch die Zeit erwartete mich auch auf meiner letzten Station an diesem Abend – der Maschinenhalle des Fachbereichs Maschinenbau. Auch hier erinnerte nichts an eine staubige Museumsatmosphäre. Technik aus zwei Jahrhunderten wurde zum Leben erweckt und in Aktion präsentiert. Zu sehen gab es eine riesige, über 100-Jahre alte Dampfmaschine, perfekt gepflegt und mit einem beeindruckenden Schwungrad. Nicht ganz so betagt: der erste, grüne Lanz Bulldog aus dem Jahr 1962 und dann der schon fast junge VW Käfer, frisch lackiert und restauriert. Ein paar Schritte weiter war ich dann in der Gegenwart angekommen. Der aktuelle Rennwagen des Raceyard-Teams, der T-Kiel A, und das an der FH konstruierte Windauto „Baltic Thunder“: beides Fahrzeuge auf dem letzten Stand der Technik. Das eine schnell und aufregend, dass andere leise und absolut umweltfreundlich, weil durch Wind betrieben.
Was gab es noch? Musik und Kino, Vorträge und Experimente, leckeres für den Gaumen, nette Menschen und einfach eine schöne Zeit. Wer sich anschließend auf den Rückweg zum Anleger machte, hatte das Gefühl, auf dem Campus der Kieler Fachhochschule eine eigene, kleine Museumsnacht erlebt zu haben – so umfangreich, interessant und lebendig war das Angebot in diesem Jahr auf dem Campus der Fachhochschule Kiel.

Autor: Michael Neubauer