„Die FH bietet Möglichkeiten, die es an anderen Hochschulen nicht gibt“ - Tobias Hochscherf, neuer Professor am Fachbereich Medien

Kiel, den 23.09.2009

Hamburg, Los Angeles, Liverpool und Newcastle, das sind die bisherigen Stationen von Tobias Hochscherf, der ab diesem Semester die Professur „AV-Produktion“ am Fachbereich Medien übernimmt. Aufgewachsen ist Hochscherf in Glinde bei Hamburg. In der Hansestadt begann er sein Studium, wechselte allerdings schon nach kurzer Zeit an die Kieler Förde.
Michael Neubauer hat ihn unter anderem gefragt, wie es zu diesem Schritt kam.

Michael Neubauer (MN): Viele junge Menschen würden sich doch eher über einen Studienplatz in der Großstadt Hamburg freuen, sie sind nach Kiel gewechselt, warum?

Tobias Hochscherf (TH): Bei mir war es eben genau andersherum. An der Hamburger Uni hatte ich Referatsgruppen mit Teilnehmern aus Wedel, Bergedorf oder Harburg. Man hat sich eigentlich nie getroffen und mir hat das Persönliche gefehlt. Das ist hier an der FH Kiel und auch damals an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ganz anders. Hier kann man persönliche Kontakte aufbauen und läuft sich auch mal in der Stadt über den Weg. Ich wollte einfach in eine kleinere Stadt, die trotzdem nicht provinziell ist. Da ist Kiel genau richtig – hier gibt es eine Oper, ein Theater, ein paar Kinos und eine Filmförderung und man kann viel mit dem Fahrrad erledigen. Und so richtig weit weg, ohne die See, zum Beispiel nach Süddeutschland, wollte ich auch nicht.

MN: Nach Ihrem Studium an der Medienwissenschaften, Anglistik und Germanistik haben Sie Kiel aber dann doch den Rücken gekehrt.

TH: Das stimmt, aber nicht sofort nach dem Studium. Schon an der Uni habe ich mit einer Filmgruppe Stücke über Ausgrabungen und historische Entwicklungen produziert, z.B. über das Wikingermuseum in Haithabu. Damals noch mit richtigem Analogfilm am Schneidetisch. Nach dem Studium habe ich mich dann selbstständig gemacht – auch mit Produktionen für Museen. Aber ich wollte weiter studieren und auch wissenschaftlich arbeiten und so ging es erst einmal in die USA nach Californien an die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, die den Oscar verleihen und an das Goethe-Institut nach Los Angeles. Dort habe ich verschiedene Projekte betreut, z.B. eine Fritz Lang-Ausstellung an der Academy. In dieser Zeit habe ich begonnen, mich für Filmemigranten zu interessieren, die während der Nazizeit von Deutschland ins Ausland geflohen sind. Mit dieser Idee bin ich nach England an die University of Liverpool gegangen und habe dort promoviert.

MN: Dreieinhalb Jahre haben Sie anschließend an der Universität in Newcastle unterrichtet, bevor es zurück nach Deutschland ging. Wieder nach Kiel – zufällig oder gewollt?

 

TH: Es war schon ein glücklicher Umstand, dass ich diese Stelle an der FH Kiel bekommen habe. In den Norden der Republik wollte ich auf jeden Fall - auch wegen meiner Familie. Ich bin Vater von Zwillingen und für die Beiden wollte ich etwas Norddeutsches. Die sind schließlich in Kiel geboren, auch wenn es mit dem Deutsch jetzt noch nicht so richtig klappt. Für mich persönlich ist es faszinierend, dass ich hier an der FH zum ersten Mal mein Praxisinteresse mit der Theorie verbinden kann. Was ich besonders spannend finde: es ist kein reiner Filmfachbereich, sondern es geht um Multimedia. Mich interessiert zum Beispiel, wie man den Film in anderer Form präsentieren kann, z.B. im Internet, in Programmen oder Ähnlichem. In diesen Bereichen kenne ich mich nicht aus und da freue ich mich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Und dann bietet die FH einige Möglichkeiten, die es an anderswo nicht gibt. Wenn man sich den Mediendom anschaut oder den Bunker-D. Ich kann mir vorstellen, da das eine oder andere Projekt zu starten.

MN: In ein paar Tagen beginnt Ihr erstes Semester an unserer Fachhochschule, wie sahen denn ihre Vorbereitungen aus und was können Ihre Studenten erwarten?

TH: Also, so langsam habe ich alles zusammengestellt. Ich werde vieles, was ich bereits gemacht habe, ob während meiner Selbstständigkeit oder im Rahmen meiner Tätigkeiten in den USA und England, einfließen lassen. Aber ich bin auch offen für Neues. Gestern Abend habe ich mich mit Erstsemestern unterhalten und da kamen schon einige Vorschläge, was man machen könnte. In jedem Fall denke ich, werden wir viel Spaß miteinander haben.


Professor Dr. Tobias Hochscherf wird an der FH Kiel im Fachbereich Medien für die Schwerpunkte Film- und Fernsehgeschichte, Filmtheorie, AV-Produktion und Kulturmanagement zuständig sein. Außerdem erforscht er „Western in den 30er Jahren“ und arbeitet an einem Buch zu seiner Doktorarbeit.

Interview und Text: Michael Neubauer