Ein Zuhause mit Zukunft

Zwei FH Studentinnen engagieren sich für Südafrikanische Waisenkinder

Kiel, 17. Dezember 2009

Eigentlich wollten sie nur einen Einblick in die fremde Kultur Südafrikas erhaschen. Doch am Ende sollte viel mehr daraus werden. Nach einem sechswöchigem Praktikum in dem kleinen Waisenhaus „Bethel Haven“ in Clocolan starteten Jenny Wölk und Christina Willman eine Spendenaktion.

Initiatorin und Hauptsponsorin von „Bethel Haven“ ist Marieta Groenewald. Schon lange hatte die Farmerin das immer schwerer werdende Leben der Straßenkinder Clocolans mit Sorge beobachtet. Eines Tages lernte sie Daniel und Anicia Makhubu kennen. Das Ehepaar hatte bereits einige Kinder aus den verelendeten Townships adoptiert. Doch die Makhubus verfügten weder über die finanziellen Mittel noch über ausreichend Platz, um die Kinder auf Dauer versorgen zu können. Marieta Groenewald kaufte ein kleines Haus, in das die bereits aus fünfzehn Personen bestehende Familie Makhubu einzog. So war der Grundstein „Bethel Haven“  gelegt und immer mehr AIDS-Waisen und missbrauchte Kinder fanden dort ein neues Zuhause. Heute leben 33 Kinder, im Alter von acht Monaten bis neunzehn Jahren in Bethel Haven. Unter der Obhut der Hauseltern wachsen die Kinder in einem liebevollen familiären Umfeld auf. Auch die beiden Studentinnen der Sozialen Arbeit an der FH Kiel bekamen die fürsorgliche Atmosphäre zu spüren. Jenny Wölk erinnert sich an ihre Ankunft in Südafrika:

„Die Menschen im ‚Bethel Haven’ sind total herzlich, wir wurden sehr freundlich aufgenommen und waren schon nach dem dritten Tag Teil der großen Familie. Da stand dann auch für uns fest: wir wollen und müssen helfen.“ Und Hilfe haben die Bewohner des Waisenhauses dringend nötig, denn nur von Liebe und Zuneigung wird niemand satt.

Die hygienischen Zustände im „Bethel Haven“ sind sehr schlecht. Dicht gedrängt müssen die Kinder auf dem kalten Betonfußboden schlafen, an fließendes Wasser ist nicht zu denken und zum Waschen müssen die Kleinen raus in den Garten. Im Winter leiden die Bewohnerinnen du Bewohner des Waisenhauses besonders darunter. Die Temperaturen sinken mitunter in die zweistelligen Minusgrade. Es gibt nicht genügend Matratzen und Decken, geschweige denn eine Heizung. Jetzt wollen die beiden Studentinnen genügend Spenden sammeln, um die schlimmsten Missstände beseitigen zu können.

„Das Wichtigste sind erst einmal Matratzen, PVC Fußböden zur Isolierung, warme Winterkleidung und Kleiderschränke. Außerdem kann eine medizinische Versorgung so gut wie gar nicht gewährleistet werden. Umgerechnet kostet ein Arztbesuch mit Diagnose und Behandlung nur 15 Euro, doch das ist in Afrika sehr viel Geld“, resümiert Jenny Wölk.

Aber das ist noch nicht Alles. Hauptsächlich ernähren sich die Bewohner „Bethel Havens“ von Porridge, einem fast geschmacklosen Brei aus Maismehl. Ab und zu bekommen sie zwar Lebensmittelspenden von Farmern aus dem Umland, doch diese reichen nicht, um den täglichen Vitaminbedarf der Kinder zu decken. Viel effektiver wäre es da, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Mit dem Bau eines Gewächshauses zum Beispiel wäre die große Familie der Makhubus auch im Winter in der Lage, sich selbst mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Aber auch durch Sachspenden kann den Kindern geholfen werden.Von einem großen Fahrradhändler in Hamburg könnten die beiden Studentinnen viele Fahrradteile bekommen. Das Zusammenbauen der Räder wäre gerade für die älteren Kinder eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, um ihre Fähig- und Fertigkeiten zu verbessern. Mit dem Verkauf der Räder, könnten sich die Kinder außerdem ein bisschen Geld dazuverdienen.

Der Weg in die Selbständigkeit ist für die Waisenkinder nicht leicht. Zur Schule können sie nur, wenn sie eine Geburtsurkunde vorweisen können. Manchmal werden Babys einfach ausgesetzt,  so dass fast keine Chance besteht, einen Geburtsschein ausgestellt zu bekommen. Trotz der Schwierigkeiten und des Lebens am Existenzminimum haben die Bewohner „Bethel Havens“ nicht verlernt zu träumen. Christina Willmann ist beeindruckt von so viel Zuversicht:

„Die Kinder sind so lebensfroh und auch ihre Lernbereitschaft ist sehr groß. Zum Beispiel Doreen Sethunva. Sie ist 16 Jahre alt und ihr größter Traum ist es, etwas von der Welt zu sehen oder sogar im Ausland zur Schule gehen zu können. Sie weiß genau, dass der afrikanische Schulabschluss nicht viel wert ist und sie kaum eine Perspektive hat. Schön wäre es, Doreen eine Pflegefamilie vermitteln zu können oder einen Sponsor zu finden, der ihr einen Schulbesuch in Deutschland ermöglichen kann. Von Vorteil wäre es natürlich, sie hier in Kiel unterzubringen, damit wir sie unterstützen und betreuen können. Doreen spricht sehr gut Englisch und möchte nun auch Deutsch lernen.“

Das Projekt „Bethel Haven“ basiert ausschließlich auf ehrenamtlicher Arbeit. So ist sichergestellt, dass die Spenden auch zu 100% an das Waisenhaus gehen. Spenden sind auf dieser Website möglich:

http://de.betterplace.org/projects/1816-entwicklungsmoglichkeiten-fur-aidswaisen-sudafrika  

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.bethel-haven.org.

Für Rückfragen stehen Jenny Wölk und Christina Willmann natürlich gerne zur Verfügung. Erreichbar sind sie unter: jenny@kis-com.de oder christinawillmann@yahoo.de.

Von Marie Haupt