Neuer Beauftragter für Technologietransfer an der FH Kiel

Kiel, 9. Februar 2010

"Ich habe meine baltische Pfütze ganz gerne im Rücken."

Das betont Dr. Gerd Küchmeister, der neue Beauftragte für Technologietransfer an der FH Kiel. Vor einer Woche hat der Industrieanthropologe und Sprachwissenschaftler seine Stelle angetreten. Mit Katja Jantz sprach er darüber, was ihn an seiner neuen Aufgabe reizt und wie er an der FH aufgenommen wurde.

Katja Jantz (KJ): Sind Sie mit der Ergonomie Ihres neuen Arbeitsplatzes zufrieden?

Gerd Küchmeister (GK): Die Fachhochschule hat mir einen multipel verstellbaren Bürostuhl bereitgestellt. Das begeistert mich natürlich, denn mit der Anpassung von Arbeitsausrüstungen und Arbeitsplätzen an die unterschiedlichen körperlichen Merkmale habe ich mich lange Zeit befasst.

KJ: Arbeitsplatzergonomie war Ihr Spezialgebiet an der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel. Was genau haben Sie dort gemacht?

GK: Ich war 23 Jahre Mitglied der Forschungsgruppe Industrieanthropologie. Unser Team hat sich damit beschäftigt, wie unterschiedlich wir Menschen sind, wie unterschiedlich wir uns bewegen, arbeiten, kommunizieren. Als Grundlage dafür haben wir Datenbanken mit körperlichen Merkmalen für die Industrie eingerichtet und diese kontinuierlich aktualisiert. Maße wie Schulterbreite und Hüftumfang sind hochrelevant für den Komfort und die Sicherheit am Arbeitsplatz. In der Praxis ging es dann beispielsweise um die ergonomische Entwicklung von neuen Arbeitsgeräten oder Fahrzeugen zusammen mit den Herstellern und um den Vergleich und die Beurteilung bereits bestehender Produkte und Dienstleistungen.

KJ: Wie würden Sie einem Laien Ihre neue Aufgabe als Technologiebeauftragter erklären?

GK: Ich suche den Kontakt mit öffentlichen Geldgebern und Vertretern aus der Wirtschaft, die daran interessiert sind, die Kompetenzen unserer Hochschule zu nutzen. Drittmittel für die Forschung dürfen nicht an uns vorüber fließen, wir brauchen sie auch für die Qualität unserer Lehre. Zum anderen sehe mich als internen Dienstleister für die Professorinnen und Professoren, insbesondere wenn es um generelle Informationen zur Forschungsförderung und Kontakte zu Partnerhochschulen in Norddeutschland und über die Bundesgrenzen hinaus geht. Ich werde eng mit dem FuE-Zentrum FH Kiel GmbH und den Funktionstragenden der Fachbereiche zusammenarbeiten.

Interdisziplinarität und Internationalität sind meiner Meinung nach für eine moderne Hochschule auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein absolutes Muss. Außerdem soll die Außenpräsentation der Professorinnen und Professoren gestärkt werden. Ich möchte dazu z.B. eine Expertendatenbank einrichten, die großen und auch kleinen Betrieben den Zugang zum vorhandenen Kompetenzpool erleichtert.

KJ: Gibt es Parallelen zwischen Ihrer bisherigen Tätigkeit und Ihrem neuen Amt?

GK: Es war und ist für mich normal, durch meine Arbeit die berufliche Zukunft Anderer und auch die eigene zu sichern. Wir sollten uns nicht dauerhaft darauf verlassen, dass für unsere Aufgabe immer ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden, wir selbst können dies auch dadurch sichern, dass noch mehr Projekte an unsere Hochschule geholt werden.  

Der Unterschied zu meiner bisherigen Arbeit besteht darin, dass ich nicht mehr in der Akquisition, verwaltungstechnisch und fachlich tätig bin. Die fachlichen Themen werden hier von den Professorinnen und Professoren formuliert. Ich kann mich daher im Wesentlichen auf die beiden anderen Bereiche konzentrieren.

KJ: Was reizt Sie an Ihrem neuen Job?

GK: Ich kann auf einer sehr guten Arbeit aufbauen. Für den Transfer sind geeignete Instrumente und Strukturen vorhanden und Erfolge erkennbar. Mich reizt, dass wir das Bessere nicht zum Feind des Guten machen müssen, sondern das Gute auf eine möglichst breite Basis mit vielen Beteiligten stellen wollen. Das heißt, dort anzusetzen, wo der Zugang zu Geldgebern, zu Interessierten an unserer wissenschaftlichen Arbeit noch unterstützenswert und ausbaufähig ist.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH entschieden?

GK: Dieser Job hat mich einfach gesucht. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen ist es für mich selbstverständlich geworden, auf öffentliche Geldgeber und privatwirtschaftliche Partner zuzugehen, um Forschungs- und Drittmittel selbst zu akquirieren. Dabei habe ich als Wissenschaftler schon immer fachübergreifend und angewandt gearbeitet, und an dieser Hochschule gibt es sechs interessante Fachbereiche, die ich in dieser Hinsicht unterstützen kann. Insofern ist diese Aufgabe eine Verbreiterung des Rahmens bei gleichem Kenntnisanspruch. Hinzu kommt, dass ich im Norden geboren bin und meine baltische Pfütze ganz gerne im Rücken habe.

KJ: Wie fühlen Sie sich kurz nach Ihrem Amtsantritt?

GK: Ich bin seit einer Woche hier. Davor hatte ich zwei Termine mit meinem Vorgänger Christian Zeigerer. Wir haben offene und konstruktive Gespräche geführt, und er hat mir sehr geholfen, mich in die Sachlage einzufinden. Auch in der Verwaltung bin ich sehr freundlich aufgenommen worden. Nun freue mich in der nächsten Phase auf das Kennenlernen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

KJ: Sind Sie ein Familienmensch?

GK: Ja, absolut! Ich bin seit 30 Jahren sehr glücklich verheiratet und habe einen 22jährigen Sohn. Meine Frau ist gebürtige Polin, wir haben uns an der Universität in Poznań/Posen kennengelernt. Dort habe ich während meines Studiums anderthalb Jahre lang als Deutschlektor gearbeitet. Das glückliche Zusammenleben in unserer internationalen Familie ist für mich besonders wichtig. Neuerdings gruppieren wir drei uns beruflich rund um die Förde: Ich bin hier auf dem Ostufer, mein Sohn möchte an der Hörn Schiffskaufmann werden und meine Frau arbeitet in der Landesbibliothek auf dem Westufer.