"Die Professur 'Digitale Systeme' ist genau die richtige Herausforderung für mich."

Kiel, 23. Februar 2010

Mobilfunk, Chipdesign und Elektronik bestimmen die Welt von Prof. Dr.-Ing. Ulrich Jetzek, der seit Sommer 2009 an der FH Kiel lehrt. Mit Michael Neubauer sprach der gebürtige Kieler über digitale Welten, seine Pläne für die Lehre und auch darüber, warum er erst in den Süden Deutschlands gegangen und doch wieder an die Förde zurückgekommen ist.

Michael Neubauer (MN): Mittlerweile haben Sie Ihr erstes Semester hinter sich. Wie sieht Ihr Fazit aus?

Ulrich Jetzek (UJ): Mein Fazit ist kurz und eindeutig: Die Professur „Digitale Systeme“ ist genau die richtige Herausforderung für mich. Ich genieße sowohl die Arbeit mit den Studierenden als auch die sehr konstruktive, nette Zusammenarbeit mit allen Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich Informatik und Elektrotechnik und anderen Bereichen der Fachhochhochschule.

Hinter mir liegt ein spannendes Semester mit motivierten und lebendigen Studierenden, und ich freue mich auf die neuen Vorlesungen im kommenden Sommer.

MN: Welche Inhalte wollen Sie den Studierenden vermitteln?

UJ: Eine gute Grundlagenausbildung in der Digitaltechnik, die sich bei mir aus drei Komponenten zusammensetzt. Die erste ist die Vorlesung, um theoretische Inhalte zu vermitteln. Gefolgt wird diese von der Laborübung, in der die Studierenden einen Praxisbezug erhalten und sehen, wie sich Bausteine der Digitaltechnik verhalten. Und zum dritten dann die Tafelübung, die mir besonders wichtig ist. Hier sind die Gruppen einfach kleiner und es gibt bessere Möglichkeiten zum Dialog und zur Interaktion. Darüber hinaus liegen meine Schwerpunkte in den Bereichen Chip-Design und natürlich der neuesten Mobilfunktechnologie. Hier in Kiel kann ich also sehr viel von meinem Wissen weitergeben und das ist eine absolut spannende Aufgabe.

MN: Wie ist Ihre Spezialisierung im Bereich des Mobilfunks entstanden?

UJ: Den Einstieg in den Mobilfunk fand ich über meine Promotion an der Technischen Hochschule Darmstadt. Ich erforschte den Bereich „Code-Vielfach-Zugriff“, also die Technologie, die UMTS zu Grunde liegt. Danach arbeitete ich in Nürnberg bei Ericsson zunächst als Systemdesigner und später als Gruppenleiter für das System Design. Das war eine wunderbare Zeit, weil ich immer an den neuesten Technologien mitwirken konnte.

Als Ericsson den Standort schloss, machte ich einen Abstecher in den medizinischen Bereich zu Siemens Medical Solutions in die Softwareentwicklung. Es ging darum, die grafische Benutzeroberfläche zur Bedienung von Kernspintomographen, CTs oder auch Angiographiegeräten einheitlich zu gestalten, also praktisch ein Windows für die Medizintechnik zu entwerfen.

Allerdings hat mich der Mobilfunk so gefesselt, dass ich kurz nach der Eröffnung eines neuen Standortes in Nürnberg wieder zu Ericsson zurückging. Während der vergangenen drei Jahre war ich an der Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) beteiligt, mit der bis zu 100 Mbit/s Datenrate erreicht werden sollen. Auch dies war für mich eine spannende Herausforderung und eine in jeder Hinsicht gewinnbringende Phase.  

MN: Was hat Sie dazu bewogen, von der Wirtschaft in die Lehre zu wechseln?

UJ: Mir hat bereits in meiner Promotionszeit die Arbeit mit den Studierenden viel Freude gemacht, beispielsweise die Betreuung von Studien- und Diplomarbeiten. Als ich bei Ericsson in Nürnberg arbeitete, gab es an der dortigen Fachhochschule keine Vorlesung zum Thema UMTS, dabei war das doch damals die Zukunft. Also schlug ich dem Dekan vor, eine UMTS-Vorlesung anzubieten und erhielt so meinen ersten Lehrauftrag.

Von da an habe ich parallel zu meinen Anstellungen Lehraufträge erfüllt. Für mich war das langfristige Ziel an einer Hochschule forschen und lehren zu können. Daher habe ich mit Freude den Ruf für die Professur „Digitale Systeme“ an der FH Kiel angenommen.

MN: Gab es auch private Gründe für Ihren Wechsel an die Förde?

Die gab es natürlich auch. Während meines Studiums in München habe ich mich sehr wohl gefühlt. Trotzdem habe ich relativ schnell gemerkt, dass mir das Meer fehlt. Dort gibt es natürlich den Ammersee, den Starnberger See und auch den Chiemsee, aber das alles ist nicht vergleichbar mit der Ostsee. Ich liebe den Wind, das Wasser und die Wellen und da kann einfach kein See mithalten – so schön er auch sein mag. Die Stadt Kiel fasziniert einfach durch ihre Lage am Meer und das maritime Flair. Meine Frau, meine drei Kinder und ich haben im vergangenen Jahr ein schönes Friesenhaus bezogen und genießen unser Leben hier sehr.

Kurzbiographie

seit Juli 2009: Professor für „Digitale Systeme“ am Fachbereich Informatik und Elektrotechnik

2006 – 2009: Gruppenleiter „Application Software“ und „Physical Layer Software“ bei Ericsson/Nürnberg

2003 - 2006: Komponentenverantwortlicher und Software Supplier Manager bei Siemens Medical Solutions/Erlangen

1998 - 2003: Systemdesigner und Gruppenleiter „System Design“ bei Ericsson/Nürnberg

1998: Promotion über „Aufwandsgünstige Verfahren zur Mehrbenutzerdetektion in Code-Vielfachzugriffs-Systemen“ an der Technischen Universität Darmstadt

1989 - 1993: IT-Support bei Hagenuk/Kiel

1984 - 1989: Studium der Informationstechnik an der Technischen Universität München