Endspurt! Es fehlt nur noch ein Stück zum Glück...

Kiel, 19.03.2010

...und das ist das Ritzel, ein kleines Zahnrad, das den Motorantrieb auf die Hinterachse überträgt. Dann ist das Projektziel erreicht: Der Prototyp des Elektroquads, das Mechatronik-Studenten der Fachhochschule Kiel tatkräftig umgerüstet haben, ist fahrtüchtig. Am Sonntag (21. März 2010) wird es auf der new energy husum seinen ersten Messeauftritt haben. Hochschulintern wird das Quad beim offiziellen Rollout präsentiert: am kommenden Freitag (26. März 2010) um 15 Uhr im Foyer des Großen Hörsaalgebäudes.

Hochkonzentriert über das Quad gebeugt arbeiten Lars Knörrer, Marcel Braun, Patrick Schmidt, Thorben Berghäuser und Daniel Hildebrandt im hinteren Bereich des Steuerungslabors für mechatronische Systeme. Sie wissen genau, was sie tun, wenn sie in das bunte Kabelgewirr abtauchen und mit Klemmen und Zangen winzige Anschlüsse und Verbindungen überprüfen. Jeder Handgriff sitzt.

Kein Wunder! In den vergangenen acht Monaten haben sich die jungen Männer fast täglich mit diesem besonderen Fahrzeug und seiner Technik auseinandergesetzt. Und nicht nur diese Fünf, sondern noch zwanzig weitere Kommilitonen vom Fachbereich Informatik und Elektrotechnik. „In unserem Studium absolvieren wir im fünften Semester ein interdisziplinäres Praktikum. In diesem Fall konnte uns der Fachbereich glücklicherweise das Quad anbieten. Das ist eine ziemlich interessante Aufgabe, daher haben auch so viele mitgemacht“, meint Lars Knörrer.

Leichtes Summen und nicht - wie erwartet - nerviges Geknatter ist zu hören, als der 28-Jährige den Motor startet und langsam Gas gibt. „Pssst, achten Sie mal darauf! Man hört so gut wie gar nichts!“ Professor Dr. Christoph Weber ist merklich fasziniert. Als eines der vier Gründungsmitglieder des „Kompetenzzentrums Elektromobilität Schleswig-Holstein“ der FH Kiel hat er das Projekt Elektroquad von Anfang an begleitet. „Dieses Quad war vorher mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet, der komplett ‚entkernt‘ und gegen eine Hochleistungsbatterie und einen elektrischen Antrieb ausgetauscht worden ist“, erklärt er die wesentliche Änderung.

Aber auch sonst ist nicht viel beim Alten geblieben. In sechs Gruppen haben sich die Studenten unter anderem um einen zeitgemäßen LED-Scheinwerfer, den Kühler, die erforderlichen Akkus, ein Informationsdisplay mit Drehzahlmesser und - nicht zuletzt - um die Projektorganisation gekümmert. So ist vom ursprünglichen Benzinerquad im Grunde nur noch das Chassis geblieben.

„Gerade das praktische Arbeiten hat viel Spaß gemacht“, erzählt Lars Knörrer, mitverantwortlich für die zentrale Steuereinheit. „Es ist sehr befriedigend, hinterher Ergebnisse in der Hand zu haben. Aber auch das Zusammenspiel des Gesamtteams hat erstaunlich gut funktioniert – nicht nur in technischer Hinsicht.“

Prof. Weber ergänzt: „Wir Professoren haben – sozusagen als Abteilungsleiter der Firma - rechts und links die Leitplanken gesetzt. Wie aber die einzelnen Komponenten zusammenspielen und eingebaut werden müssen, hat sich das Team mit allen Freuden, aber auch allen Leiden selbständig erarbeitet. Alle waren von Anfang an mit Herzblut dabei und haben das Projekt nicht nur als eine Art 8-Stunden-Job gesehen. Nur so war es möglich, alles in diesem knapp bemessenen Zeitrahmen zu schaffen. Das verdient große Anerkennung.“

Und nun hat der Projekt-Endspurt begonnen. In einer Woche (25. März 2010) findet die hochschulinterne Abschlusspräsentation statt, das offizielle Rollout auf dem Gelände der Fachhochschule Kiel ist für den 26. März 2010 geplant. Doch zuvor soll das Quad am kommenden Sonntag auf der Messe „new energy husum“ seine Feuerprobe bestehen und zum ersten Mal vor Fachpublikum präsentiert werden.

Im Grunde ist alles fertig, die Stimmung im Labor angenehm entspannt. Vor einer Woche ist der Motor zum ersten Mal gelaufen, gefahren ist das Quad aber noch nicht. Doch das wird es – sobald das letzte Stück zum Glück endlich eintrifft und seinen Platz im Motor gefunden hat. Beim Lieferanten hat das Team sicherheitshalber noch mal nachgefragt: Das Ritzel ist auf dem Weg.


Autorin: Katja Jantz

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert