„Mir als gebürtigem Norddeutschen liegen die Menschen hier“,

Kiel, 22.03.2010

erzählt Prof. Dr. Carl Schütte. Gerade hat er sein erstes Semester als Professor für Allgemeine BWL und Personalmanagement an der FH Kiel hinter sich und freut sich nun sehr auf das kommende.

KJ (Katja Jantz): Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?  

CS (Carl Schütte): Gleich bei meinem ersten Besuch in Kiel hatte ich das Gefühl, dass es passt. Meine Probevorlesung und das anschließende Gespräch mit der Berufungskommission haben diesen ersten Eindruck noch verstärkt. Mir als gebürtigem Norddeutschen liegen die Menschen hier, genauso wie die Stadt und ihre Umgebung - insbesondere gefällt mir natürlich die Ostseelage.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?  

CS: Neben allgemeinen betriebswirtschaftlichen Grundlagen möchte ich den Studentinnen und Studenten vor allem die hohe und häufig unterschätzte Bedeutung des Personalmanagements für den Organisationserfolg, für die Zufriedenheit der Menschen in den Organisationen und letztlich auch für gesellschaftliche Belange aufzeigen. Mir ist wichtig, dass die Studierenden die Möglichkeiten des Personalmanagements erkennen und z. B. als Personaler oder als Führungskraft mit Personalverantwortung innovative und ganzheitliche Lösungen anstreben, bei denen möglichst alle Parteien gewinnen.

KJ: Warum haben Sie Ihr Studium gewählt?  

CS: Schon in der Schule habe ich betriebswirtschaftliche Fragestellungen als spannend empfunden und mich daher im Anschluss für ein Studium der BWL entschieden. In dessen Verlauf wuchs dann mein Interesse an psychologischen Themen und insbesondere am sogenannten „weichen“ Faktor Personal, der letztlich die „harten“ Fakten bestimmt.

KJ: Wie kamen Sie auf das Thema Ihrer Dissertation und worum ging es?  

CS: Im Anschluss an mein Studium habe ich über die Betreuerin meiner Diplomarbeit Kontakt zu Volkswagen herstellen können. Dort habe ich in einem Veränderungsprozess mitgewirkt und bin so auf das Thema meiner Dissertation „Zur Effizienz von Gruppenarbeit“ gestoßen. Dabei ging es um die Frage, welche Faktoren die Wirksamkeit von Gruppenarbeit beeinflussen.

KJ: Wo lag der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?  

CS: Hauptsächlich habe ich mich mit der Entwicklung und insbesondere mit der Umsetzung strategischer Aufgaben im Personalmanagement befasst. Dazu gehörten beispielsweise die Konzeption und Durchführung von Mitarbeiterbefragungen oder die Einführung eines Konzepts zum Führen mit Zielen. Die besondere Herausforderung liegt hierbei nicht in der Erstellung eines qualitativ guten Konzepts, sondern in der effektiven Gestaltung des Einführungsprozesses in eine Organisation mit vielen Akteuren, unterschiedlichen Interessen und den spezifischen Machtverhältnissen. Ein weiterer Schwerpunkt meiner bisherigen Tätigkeit war die Gestaltung der Unternehmens- und Führungskultur, so z.B. die kulturelle Integration zweier Unternehmen im Rahmen einer Fusion – gerade hieran scheitern Fusionen häufig.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?  

CS: Zu den klassischen Aufgaben eines Personalmanagers zählen Personalgewinnung, Personalentwicklung, Leistungsbeurteilung und Entgeltfindung. Hinzu kommen weitere Themen wie die Gestaltung von Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsorganisation. Dies alles steht in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Phänomenen bzw. Werteveränderungen wie z.B. unserer alternden Gesellschaft oder dem Wunsch nach einer Balance zwischen Beruf und Familie bzw. Privatleben. Heutzutage spielen im Zuge der permanenten innerbetrieblichen Veränderungsprozesse außerdem das Change Management und Unternehmens- bzw. Führungskulturgestaltung eine immer größere Rolle. Vor dem Hintergrund, dass Menschen auf Veränderungen zunächst einmal skeptisch reagieren, ist es wichtig zu wissen, wie man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Veränderung begleiten kann. Personalarbeit bewegt sich somit im Spannungsfeld zwischen unternehmerisch-betriebswirtschaftlichen Anforderungen einerseits und menschlichen Bedürfnissen andererseits. Hier ein „sowohl-als-auch“ statt eines „entweder-oders“ zu ermöglichen, kennzeichnet gute Personalarbeit. Sie liefert langfristige Beiträge zum Erfolg des Unternehmens sowie für die in ihm arbeitenden Menschen.

KJ: Wie sieht Ihr Fazit des ersten Semesters aus?  

CS: Es ist eine tolle Herausforderung. Alles ist neu, spannend und damit zum Teil auch noch mit Unsicherheit verbunden. Ich freue mich sehr auf das vor uns liegende Sommersemester.

KJ: Was verbinden Sie mit Kiel?  

CS: Ostsee, Urlaub und die Öffnung nach Skandinavien…

Kurzbiographie
 
seit Oktober 2009
Professur für „Allgemeine BWL und Personalmanagement“ am Institut für Management und Marketing an der FH Kiel  

seit Ende 2008 Trainer für Personalmanagement und Organisationsentwicklung
 
2006 – 2008 Lehrauftrag für die Studiengänge „Internationales Management“ und „Betriebwirtschaftslehre“ an der Hochschule Bremen  

2004 – 2005 Ausbildung zum Coach, Odenwaldinstitut  

2001 – 2009 Aufbau und Verantwortung für die Organisations- und Personalentwicklung der Handelskrankenkasse für Bremen und Niedersachsen

1999 – 2001 Personalreferent, Holding der Nehlsen Gruppe  

1998 – 1999 Personalcontrolling in der Nachwuchsgruppe, DaimlerChrysler AG Werk Bremen  

1996 - 2001 Promotion als externer Doktorand bei Prof. Dr. E. Frieling, Institut für Arbeitswissenschaft, Universität Kassel  

1994 – 1996 Assistent der Projektleitung des Motivations- und Organisationsentwicklungsprozesses, Volkswagen AG in Kassel  

1988 – 1994 Studium der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Markt- und Organisationspsychologie, an der Georg-August-Universität in Göttingen