Ihren Beruf empfindet Prof. Dr. Melanie Groß als sehr „entgrenzt“.

Kiel, 21.04.2010

Ihren Beruf empfindet Prof. Dr. Melanie Groß als sehr „entgrenzt“. Sich rund um die Uhr wissenschaftlich weiterzubilden, an Seminaren zu stricken und sich hochschulpolitisch zu engagieren – das sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die sie als Professorin für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit hat.

Gesellschaftspolitische Fragen interessieren Melanie Groß schon in der Schule: Warum sind Menschen so, wie sie sind und wie verändern sie sich? Und so nimmt die gebürtige Düsseldorferin im Wintersemester 1994/1995 nach dem Abitur voller Elan ihr Studium der Erziehungswissenschaften in Köln auf. Schnell merkt sie, dass dies genau das Richtige für sie ist: Immer wieder stößt sie auf neue, spannende Fragen, denen sie auf den Grund gehen möchte.

Bereits im Grundstudium ist für Melanie Groß klar, dass sie unbedingt promovieren und später in die Lehre und Forschung gehen will - daran, Professorin zu werden, denkt sie aber zunächst noch nicht. Beim Diplom angelangt, festigt sich dieser Gedanke. Frustrierend die Vorstellung, dass es an diesem Punkt zu Ende sein soll.
Also setzt Melanie Groß ihren Wunsch in die Tat um, macht sich mit Begeisterung an ihre Doktorarbeit und erforscht an der International Graduate School in Sociology der Universität Bielefeld ein Thema, das sie wirklich fasziniert und beschäftigt: Geschlechtsbezogene Widerstandsbewegungen in jugendkulturellen Milieus.

Danach geht alles rasend schnell. Bereits ein halbes Jahr nach ihrer Promotion schreibt die Fachhochschule Kiel 2008 die Professur für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit aus. Melanie Groß hat sich inzwischen entschieden, diesen Beruf ergreifen zu wollen. „Ich habe ich mich sehr viel mit den Professorinnen und Professoren um mich herum beschäftigt, mir deren Leben und Arbeitsweisen angeschaut und war also auf das gefasst, was mich erwartet.“

Mittlerweile ist Melanie Groß seit September 2008 Professorin am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Kiel. Als Lehrbeauftragte an der Universität Bielefeld und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Hamburg-Harburg hat sie schon Lehrveranstaltungen gegeben. Aber die Menge an Seminaren hier ist zunächst neu.

Und auch sonst hat sich vieles für sie verändert. Wissenschaft und Lehre sind immer noch wesentlicher Teil ihrer Arbeit, hinzugekommen ist allerdings das verstärkte Interesse an Studiengangsgestaltung. „Früher habe ich mir den Luxus einfach gegönnt, mich nicht so sehr dafür zu interessieren. Das ist heute etwas anderes, weil ich jetzt mitverantwortlich dafür bin, dass das Curriculum auch Sinn macht und die Modulziele erreicht werden. Ich möchte meinen Studierenden so viel wie möglich mitgeben.“

Was sich noch verändern soll? Das Forschen kommt bei ihr im Moment noch zu kurz, aber daran arbeitet sie - denn das Einbinden „frischer“ Forschungsergebnisse in die Lehre ist ihr sehr wichtig.

Aspekte, die sie an ihrem Job nicht mag, gibt es auch. Ihr Arbeitstag, sagt sie, sei sehr getaktet und dadurch stressiger geworden. Aber das nimmt Melanie Groß in Kauf, weil die Freude an ihren Aufgaben überwiegt - die Freude am Lehren, am Kommunizieren, an Denkprozessen.
Sie hat Wege gefunden, Ruhepole einzubauen und den Tag entspannt zu beginnen: zum Beispiel mit einem Spaziergang am Morgen, egal bei welchem Wetter. „Seit ich diesen Job habe, genieße ich zum Ausgleich noch viel stärker als vorher die Ruhe, also wirkliche Ruhe – einen weiten Blick und wenig Menschen.“

Wer mehr über diesen Beruf und seine Perspektiven erfahren möchte, kann dies im Rahmen der Interdisziplinären Wochen am Dienstag, 27. April 2010 von 14 bis 17 Uhr. Bei der Veranstaltung „‚Fachhochschulprofessorin werden“ - Karriereweg und -zugänge zu einer Fachhochschulprofessur“ kommen neben Prof. Dr. Melanie Groß auch andere „lebende Beispiele“ zu Wort.

Katja Jantz