„Ich möchte schon im Vorfeld meines Praktikums gerne einen Beitrag leisten.“

Kiel, 15.10.2010

„Ich möchte schon im Vorfeld meines Praktikums gerne einen Beitrag leisten“, sagt Magdalena Häußler. Die Studentin der Sozialen Arbeit organisiert einen Afrika-Abend zugunsten des südafrikanischen Waisenhauses Bethel Haven, der am kommenden Donnerstag (21. Oktober 2010) im Bunker-D stattfindet. Warum der 31-Jährigen diese Benefizveranstaltung besonders am Herzen liegt, und was sie damit erreichen möchte, erzählte sie Katja Jantz.

KJ (Katja Jantz): 2007 wurde Bethel Haven aus privater Hand von Marieta Groenewald, einer südafrikanischen Farmerin, gegründet. Seitdem haben alle Beteiligten tatkräftig mit angepackt, um das Projekt voranzubringen. Wie würden Sie die heutige Situation des Waisenhauses beschreiben?

MH (Magdalena Häußler): Es gibt weiterhin viel zu tun. Als das Projekt „Bethel Haven – Ein Zuhause mit Zukunft“ in Clocolan startete, gab es zunächst keine Möbel – alle Kinder mussten auf dem Boden schlafen. Mittlerweile ist natürlich einiges hinzugekommen, aber der Bedarf an weiteren Möbeln, Haushaltsgegenständen und Hygieneartikeln ist nach wie vor groß.

Bethel Haven ist mit zurzeit 30 Kindern im Alter von sechs Monaten bis 18 Jahren vollständig ausgelastet. Die Herbergseltern Anicia and Daniel Makhubu (sie haben sieben ihrer eigenen zehn Kinder durch AIDS verloren) leben gemeinsam mit den Waisenkindern im Haus und nehmen sich ihrer Schützlinge rund um die Uhr liebevoll an. Sie engagieren sich mit ganzem Herzen, aber frei von jeglicher pädagogischer Konzeption.

Aufgrund der räumlichen Bedingungen ist sehr schwierig, den Kindern und speziell auch den pubertierenden Jugendlichen Privatsphäre zu gewähren. Regelmäßig gesunde und abwechslungsreiche Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, ist aus Kostengründen nicht möglich – häufig muss auf den einfachen, traditionellen Maisbrei zurückgegriffen werden.

KJ: Wie haben Sie von Bethel Haven erfahren?

MH: Durch mein Studium. Da ich mir sehr gut vorstellen kann, danach meinen beruflichen Schwerpunkt auf Soziale Arbeit im internationalen Kontext zu legen, habe ich mich schon relativ früh dafür entschieden, mein zweites Studienpraktikum im Ausland zu machen. Seit der Gründung des Waisenhauses gehen in regelmäßigen Abständen Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit nach Clocolan, um im Rahmen ihres Praktikums die dortige Arbeit zu begleiten und zu unterstützen.* Meines beginnt Mitte Januar 2011.

KJ: Was fasziniert Sie an diesem Projekt?

MH: John W. Whitehead (US-amerikanischer Musiker und Produzent, Anm. KJ) hat einmal gesagt: „Kinder sind Botschaften, die wir in eine Zeit entsenden, die wir selbst nicht mehr erleben werden.“ Dieses Zitat trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt: Wir sind heute verantwortlich für die Welt, die wir einmal hinterlassen werden. Bei Kindern können wir den Grundstein dazu legen, dass sie als Erwachsene verantwortungsbewusst handeln und ihr Leben selbst in die Hand nehmen.

Besonders in Südafrika ist AIDS noch sehr stark verbreitet und es ist extrem wichtig, Menschen aus weniger stark betroffenen Ländern auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Jeder kann mithelfen, die Welt dahingehend zu verändern, dass sie für alle Menschen lebenswert ist, und dass auch die Kinder in Südafrika Lebensqualität erfahren können.

Als ausgebildete Krankenschwester arbeite ich neben meinem Studium im Kieler Zentrum für Integrative Psychiatrie mit traumatisierten und persönlichkeitsgestörten Frauen. Durch meine Erfahrung mit Menschen, die schwere Schicksalsschläge hinter sich haben, kann ich mich, denke ich, zumindest annähernd in die Situation hineinversetzen, in der sich die Kinder in Bethel Haven befinden müssen. Häufig kommen  sie direkt aus dem Township und haben schreckliche Erfahrungen hinter sich – häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch, Obdachlosigkeit.

KJ: Was erwartet die Gäste des Afrika-Abends?

MH: Wir bieten ein vielfältiges Programm, das ihnen das Projekt Bethel Haven und die Situation in Südafrika näher bringen, sie mitreißen und dafür begeistern wird. Unser Kanzler Klaus Heinze hat die Realisierung des Afrika-Abends vor der schönen Kulisse des Bunker-D ermöglicht, worüber ich mich sehr freue.

Frau Dr. Britta Thege und Frau Prof. Dr. Ingelore Welpe stellen Hintergrundinformationen zum Projekt bereit und berichten über persönliche Erfahrungen. Beide sind am Institut für interdisziplinäre Genderforschung und Diversity tätig und außerdem aktive Mitglieder des Create Future e.V., der sich seit Jahren engagiert für das Waisenhaus einsetzt.

Ich freue mich ebenfalls sehr, dass der ghanaische Musiker Fabian Addo sich bereiterklärt hat, mit Mitgliedern der Kieler Reggaeband „Papa Boye & The Relatives“ im Rahmen unserer Veranstaltung traditionelle afrikanische Stücke zu spielen. Auch mein Freund, der seit vier Jahren im Djembéstudio in der Gerhardtstraße 65 spielt, hat extra eine Gruppe zusammengestellt, die den Gästen afrikanische Trommelrhythmen präsentieren wird.

Darüber hinaus habe ich es einrichten können, dass der Dokumentarfilm „Schatten über Afrikas Kindern – HIV/AIDS in Südafrika“ von den Multimedia Production-Absolventinnen Inga Hehnen und Cornelia Helms im Bunker-D-Kino gezeigt werden kann. Mehr verrate ich jetzt nicht…

KJ: Aber Sie verraten mir doch bitte noch, was Sie dazu bewegt hat, diese Benefizveranstaltung auf die Beine zu stellen?

MH: Gerne. Gerade die Organisation von Projekten wie Bethel Haven interessiert mich sehr: Wie tragen sich solche Initiativen, wie kann ich Spenden akquirieren? Soziale Einrichtungen dieser Art sind immer sehr von finanziellen Mitteln abhängig.

Meine Kommilitonin Tamara Cording, die am Donnerstag übrigens ebenfalls über ihre Erfahrungen mit dem Projekt sprechen wird, erarbeitet zurzeit im Rahmen ihrer Diplomarbeit eine neue Konzeptionsentwicklung für das Waisenhaus, damit es unter Anleitung von Fachkräften professioneller geführt werden kann. Sie ist tief in das Projekt involviert und hat mir einen sehr umfassenden Eindruck von den Lebensbedingungen vor Ort vermittelt. Ich möchte schon im Vorfeld meines Praktikums gerne einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieses Waisenhauses leisten, um bei meinem Aufenthalt Mittel zur Verfügung zu haben, mit denen wir konkret etwas umsetzen und die Arbeit voranbringen können.

Ich habe die Veranstaltung zwar angestoßen und organisiert, bin aber von vielen Seiten großartig unterstützt worden. Alleine hätte ich es nicht geschafft – dafür fehlen mir auch einfach genügend Kontakte. An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten und Helferinnen und Helfer!

KJ: Was möchten Sie mit der Veranstaltung erreichen?

MH: Wir hoffen auf viele Spenden. Zur nachhaltigen Verbesserung der Situation im Bethel Haven fehlt es an vielen Dingen, wie Kleidung, Schulmaterialien, Medikamenten und auch Spielzeug oder auch an Personen, z. B. qualifizierten Fachkräften, einer Haushalthilfe, einer Köchin und einem Gärtner.

Am wichtigsten ist jedoch der Erwerb eines Fahrzeugs, um eine gewisse Mobilität zu erreichen. Damit könnten beispielsweise Nahrungsmittel, z. B. von den umliegenden Farmen, eingekauft und die Kinder zu Aktivitäten und Ausflügen transportiert werden.

Selbstverständlich muss auch die Grundversorgung weiterhin gewährleistet werden, damit sich die Arbeit dort weiter entwickeln kann. Das langfristige Ziel aller Aktivitäten für das Waisenhaus ist natürlich die Möglichkeit zur Selbstversorgung.

* Einen weiteren Bericht über das große Engagement von Studierenden des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit finden Sie hier: Ein Zuhause mit Zukunft.