"Ich gehe davon aus, dass ich hier die Freude am Lehren, Kommunizieren und an der Entwicklung von kritischen Denkprozessen fortsetzen kann."

Kiel, 11.01.2011

„Ich gehe davon aus, dass ich hier die Freude am Lehren, Kommunizieren und an der Entwicklung von kritischen Denkprozessen fortsetzen kann“, sagt Prof. Sabine Toppe. Von der Uni Marburg wechselte die studierte Pädagogin Anfang November 2010 an die FH, um am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit Pädagogik der Kindheit zu lehren.

KJ (Katja Jantz): Warum haben Sie Ihr Studium gewählt?  

ST (Sabine Toppe): Nachdem ich ein Praktikum auf einem Biobauernhof gemacht hatte, war mir klar, dass meine Welt nicht zwischen Kühen, Schweinen, Schafen und Unkraut rupfen liegt, sondern dass ich denken und mich kritisch mit Dingen auseinandersetzen will. Alle Landwirtinnen und Landwirte mögen mir das verzeihen – ich weiß, wie viel Logistik und Nachdenken zu ihrer Arbeit gehört.

Ich fing also mit einem Lehramtsstudium im Bereich Germanistik und Sozialkunde/Politik an, das politische Interesse und die Liebe zur Literatur trafen sich hier. Nach zwei Schulpraktika wechselte ich dann in die Sozialpädagogik/Sozialarbeit. Dort habe ich die Handlungsfelder gefunden, die besser zu mir passten als der Schuldienst.

Im Studium konnte ich die Allgemeine Erziehungswissenschaft mit der Sozialen Arbeit verbinden und widmete mich den Schwerpunkten Kindheit und Familie, Gender und Geschichte der Sozialen Arbeit sowie Erziehung und Bildung.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?  

ST: Das lag vor allem an dem spannenden Fachgebiet, für das ich berufen wurde – die Pädagogik der Kindheit. Dieses Thema möchte ich sehr gerne mit weiterentwickeln, in seiner theoretischen Ausgestaltung sowie der praktischen Umsetzung und Vernetzung. Und dann hatte ich im Bewerbungsverfahren den Eindruck, dass mir hier engagierte, offene, kritische und diskussionsfreudige Kolleginnen, Kollegen und Studierende begegnen werden, was sich inzwischen eindeutig bestätigt hat.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?  

ST: Ich möchte ihnen ein ebenso grundständiges wie vertiefendes Wissen über Kindheit und Familie, über Bildungs- und Erziehungsprozesse in den verschiedenen Institutionen vermitteln, in denen Heranwachsende sich bewegen. Dazu gehören u. a. Verknüpfungen mit der Bildungs- und Sozialpolitik. Dabei möchte ich deutlich machen, dass für mich Wissensvermittlung immer an kritisches Reflektionsvermögen gebunden ist. Es ist mir ein besonderes Anliegen, an die Neugierde und das Interesse der Studierenden anzuknüpfen und auf Fragen und Widersprüche aufmerksam zu machen, die sich aus Wissenschaft und Praxis im Bereich Bildung und Erziehung in der Kindheit und Sozialen Arbeit ergeben.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?  

ST: Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Lehr- und Forschungstätigkeit habe ich schon immer die Bereiche Soziale Arbeit und Allgemeine Erziehungswissenschaft miteinander verbunden. Meine Forschungsschwerpunkte sind Kindheit und soziale Ungleichheit, Geschichte von Bildung, Ganztagsbildung sowie Erziehung und Familie, unter besonderer Berücksichtigung von Genderaspekten.

Es war mir wichtig, meine Forschungstätigkeit mit der Praxis und Kontakten in die Sozial- und Bildungspolitik zu verknüpfen. So habe ich viele Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Projekten aus dem Bereich der Familienhilfe, mit Schulen und mit Kindertagesstätten gesammelt.

Auch was die Lehre betrifft, konnte ich mich an verschiedenen Hochschulen und Fachschulen ausprobieren und kann daher auf vielfältige Erfahrungen im Bereich Forschungswerkstätten und Lehrforschungsprojekte zurückgreifen.

Außerdem habe ich mich als Vertrauensdozentin der Heinrich Böll Stiftung im Bereich der Studierendenförderung und der regionalen und überregionalen Hochschulpolitik engagiert.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?  

ST: Im Zentrum der Pädagogik der Kindheit stehen kindliche Bildungs- und Erziehungsprozesse im Kontext der Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern und Familien, die Kindheit umfasst dabei die Altersstufe der 0- bis 14-Jährigen. Die Pädagogik der Kindheit betrachtet darüber hinaus die verschiedenen Bildungs- und Erziehungsinstitutionen der Heranwachsenden. Mit der Aufmerksamkeit, die das Thema in den vergangenen Jahren in den Bereichen Kindertageseinrichtungen und Schulen, unter Einbeziehung der Familie, gewonnen hat, ist auch die Qualifikation der Fachkräfte (wieder) stärker in den Fokus geraten.

Diese Qualifikation bzw. wissenschaftliche Ausbildung von Kindheitspädagoginnen und -pädagogen im Bereich Soziale Arbeit ist mein Fachgebiet. In Kindertageseinrichtungen und Schulen sollen sie Bildungsprozesse fördern, Kinder aus benachteiligten Lebensverhältnissen begleiten, Mütter und Väter in ihrer Erziehungskompetenz unterstützen, Kindeswohlgefährdung mindern, Gesundheit fördern und vieles mehr. Die Vermittlung lebensweltbezogener Bildung und die Frage, wie man eine gute Kindheit definiert, sind dabei zum Beispiel inhaltliche Ansatzpunkte.

KJ: Was erwarten Sie von Ihrem ersten Semester an der FH Kiel?  

ST: Ich hoffe doch sehr und gehe auch davon aus, dass ich hier die Freude am Lehren, Kommunizieren und an der Entwicklung von kritischen Denkprozessen fortsetzen kann. Die Studierenden und die Lehrenden bringen eine große Vielfalt an Berufs- und Lebenserfahrungen mit, was ich im Hinblick auf eine weitergehende Verknüpfung von Theorie und Praxis sehr spannend und auch vielversprechend finde. Meine Kolleginnen, Kollegen und die Studierenden haben mich sehr herzlich und offen aufgenommen, sodass ich mit einem guten Gefühl gestartet und sicher bin, dass sich das fortsetzt.

Kurzbiographie  

seit 11/2010 Professorin (W2) für Pädagogik der Kindheit an der Fachhochschule Kiel im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit

10/2009 – 10/2010 Vertretungsprofessur für Allgemeine Pädagogik (W3) an der Universität Flensburg

12/2004 – 9/2009 Wissenschaftliche Assistentin (C1) am Fachbereich Erziehungs­wissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg

8/2002 – 11/2004 Pädagogische Beratungs- und Projektmanagementtätigkeit für Eltern und Erzieherinnen in den Themenbereichen vor­schulische Bildung und Kooperation von Schule – außerschulische Lebenswelten

10/1999 – 7/2002 Postdoktoratsstelle am Fachbereich Pädagogik der Carl von Ossietzky (C.v.O.) Universität Oldenburg

4/1998 – 8/1999 Wissenschaftliche Angestellte am Fachbereich Pädagogik der C.v.O. Universität Oldenburg. Lehre und Betreuung von Praktika im Bereich Sozialar­beit / Sozialpädagogik

4/1994 – 3/1997 Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.

1/1990 – 3/1993 Pädagogische Fachkraft im Autonomen Frauen­haus Oldenburg

10/1985 – 8/1989 Studium der Diplom-Pädagogik, Fachrichtung Sozial­arbeit / Sozialpädagogik an der C.v.O. Universität Oldenburg

10/1982 – 7/1984 Studium des Lehramts für Gymnasien (Sek. II) an der Carl von Ossietzky (C.v.O.) Universität Oldenburg, Fächer Germanistik und Sozialkunde / Politik. Abschluss: Zwischen­prüfung