"Der Wunsch, an einer FH zu lehren, schwirrt seit nunmehr zwölf Jahren in meinem Kopf herum."

Kiel, 27.01.2011

„Der Wunsch, an einer FH zu lehren, schwirrt seit nunmehr zwölf Jahren in meinem Kopf herum“, erzählt Prof. Dr. Harald Jacobsen.  Nun, am 1. Januar 2011, war es soweit. Seitdem lehrt der Physikingenieur am Fachbereich Informatik und Elektrotechnik und möchte seinen Studierenden u. a. zeigen, dass es sich lohnt zu lernen.

KJ (Katja Jantz): Was verbinden Sie mit Kiel?  

HJ (Harald Jacobsen): Viel … angefangen mit meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker bei der Telekom in Kiel über eine vierjährige Promotionszeit an der Technischen Fakultät der CAU, bis hin zu sportlichen Segeltörns und einer kläglich wimmernden Heulboje weit draußen auf der Kieler Förde.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?  

HJ: Das ist letztlich eine Summe von Einzelgründen. Wenn ich ehrlich bin, schwirrt der Wunsch, an einer FH zu lehren, seit nunmehr zwölf Jahren in meinem Kopf herum. Kiel ist für mich und meine Frau einer der wenigen möglichen Orte, an denen wir uns es beide gut vorstellen können zu leben. Hauptauftrag einer FH ist die Lehre. Daher finde ich die Vision der Hochschule einer exzellenten Lehre gut und freue mich darauf, daran mitzuwirken. Schlussendlich hat sich aber auch die FH für mich entschieden, was mir zeigt, dass ich mit meiner beruflichen Vorgeschichte und auch meiner Person höchstwahrscheinlich ganz gut hier hin passe.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?  

HJ: Dass es sich lohnt zu lernen, und dass man weder für die Dozentinnen und Dozenten noch für die Klausur, sondern am Ende des Tages nur für sich selbst lernt. Ich fange mit zwei Grundlagenveranstaltungen an und würde mich freuen, wenn ich im Laufe der Zeit auch meine alten materialwissenschaftlichen Themen wieder aufnehmen kann.

KJ: Warum haben Sie Ihr Studium gewählt?  

HJ: Ich wollte ursprünglich Physik an einer Universität studieren und habe mir dazu eine Vorlesung in Hamburg angeschaut. Dies hat mich jedoch nicht überzeugt und so habe ich mich dann für ein Studium zum Physikingenieur an einer Fachhochschule entschieden.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?  

HJ: Ich würde mich als technologielastigen Materialwissenschaftler beschreiben und habe meine bisherigen Berufserfahrungen in der anorganischen Mikrosystemtechnik und der organischen Halbleitertechnik gesammelt. Dabei ging es immer um komplette Bauteile und nicht nur einzelne Komponenten – was die eigentliche Herausforderung ausmacht.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?  

HJ: Ich beschäftige mich mit silizium-basierten Mikrosystemen. Dabei handelt es sich entweder um Aktuatoren oder um Sensoren, die verschiedene Ein- und Ausgangsgrößen haben können. In jedem modernen GPS-Gerät ist z. B. ein Drehratensensor eingebaut, der die Drehung des Autos in ein elektrisches Signal überführt.

Ein gut bekanntes Beispiel für einen Aktuator ist die Einwegdruckpatrone eines handelsüblichen Tintenstrahldruckers. In den Patronen, die man von Zeit zu Zeit wechseln muss, befindet sich ein kleines Siliziumstück (meist von einem Klebestreifen geschützt). Diese kleine Komponente ist das Herzstück einer jeden Patrone und generiert mehrere zehntausend Einzeltropfen pro Sekunde die dann mit hohen Geschwindigkeiten auf das zu bedruckende Papier fliegen.  

Ein weiteres Themengebiet sind organische Halbleiter. Das sind letztlich Kunststoffe, die derzeit in drei Bereichen Anwendung finden: Zum einen erzeugen sie Licht aus elektrischer Energie und können daher z. B. in Leuchtdioden zur Display- oder Raumbeleuchtung eingesetzt werden. Zum anderen wandeln sie Licht in elektrische Energie um, in Photovoltaikanlagen, wie man sie aus anorganischen Materialien schon auf vielen Häusern sieht.

Und last but not least können organische Halbleiter auch in Feldeffekttransistoren zum Einsatz kommen. In diesem Gebiet geht es im Wesentlichen darum, dem seit Generationen gut bekannten Halbleiter Silizium auf einigen Gebieten (low tech aber auch low cost) Konkurrenz zu machen.

KJ: Was erwarten Sie von Ihrem ersten Semester an der FH Kiel?  

HJ: Viel Arbeit, viele neue Eindrücke, viele neue Gesichter und generell viel, viel Neues. Dies ist meine dritte Woche und fühle mich sehr gut aufgenommen im Kreise der Kolleginnen und Kollegen sowie der Verwaltung.

Kurzbiographie  

seit Januar 2011 Professor für Mathematik, Physik und Elektrotechnik an der Fachhochschule Kiel  

2007 – 2010 Laborleiter „Organische Elektronik“ in der Konzernforschung bei BASF SE in Ludwigshafen  

2003 – 2007 Promotion am Fraunhofer Institut für Siliziumforschung in Itzehoe und der CAU in Kiel zum Thema „Integration von piezoelektrischen Dünnschichten in die Siliziumtechnologie“  

2002 – 2003 Diplomarbeit am Fraunhofer Institut für Siliziumforschung in Itzehoe zum Thema „Evaluierung von Silica Slurries“  

2000 – 2003 Hauptstudium der Physiktechnik an der FH-Wedel  

1998 – 2000 Grundstudium der Physiktechnik an der FH-Göttingen