Vom Hörsaal in die Werkhalle

Von: Frauke Schäfer

Studierende der FH Kiel entwickeln Verbesserungsvorschläge für Automobilzulieferer GKN Driveline

Vom Hörsaal in die Werkhalle: FH-Kiel-Studierende entwickeln Verbesserungsvorschläge für den Kieler Automobilzulieferer GKN Driveline. Foto: Matthias Pilch)

In enger Zusammenarbeit mit dem Kieler Gelenkwellenhersteller GKN Driveline haben Student*innen des Masterstudiengangs Maschinenbau der Fachhochschule (FH) Kiel Konzepte zur Produktivitätssteigerung entwickelt. Gestern (8. Januar 2020) präsentierten sie ihre Ergebnisse im Unternehmen. Initiiert hatte die Zusammenarbeit die Geschäftsführerin der IG-Metall Kiel-Neumünster, Stephanie Schmoliner. Anlass war die aktuelle Debatte um die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. „Für uns als Arbeitnehmervertretung stellt sich die Frage, wie es einen guten Weg für die Zukunft geben kann. Um nicht schlussendlich mit einem Abbau von Arbeitsplätzen oder ähnlichem konfrontiert zu werden, haben wir uns für einen proaktiven Weg entschieden. Wir wollen damit nicht nur langfristig Standort und Arbeitsplätze sichern, sondern neue Netzwerke knüpfen und Kräfte bündeln, um die Industrie in Kiel voranzutreiben und Perspektiven für die Menschen zu schaffen.“

Ihre Vorschläge entwickelten die 26 Student*innen im Rahmen der Lehrveranstaltung „Anwendung der Digitalisierung vom Produktentwurf bis zur Nutzung“. Nach einer Einführung in den theoretischen Hintergrund lernten sie die Abläufe im Kieler Werk kennen und analysierten sämtliche mit der Produktion zusammenhängende Daten. Ein Team untersuchte die bisherige Planungssystematik, ein zweites analysierte den Materialfluss, Team Drei widmete sich dem Einsatz von Robotern und autonomen Transportsystemen. Zur Seite standen ihnen drei Professoren und feste Ansprechpartner aus der Belegschaft. Die Aufgabe, so das Fazit von Maschinenbaustudent Morten Möller, sei ebenso anspruchs- wie reizvoll gewesen: „Wir hatten am Anfang den Aufwand unterschätzt, der nötig war, um die Prozesse vor Ort in der Fertigung kennenzulernen und die Daten auszuwerten. Aber wir haben es geschafft.“

So konnten die FH-Studierenden konkrete Verbesserungsvorschläge machen. Das Team Planungssystematik empfiehlt die Erweiterung des sogenannten Manufacturing Execution Systems, kurz MES, erklärt Teamsprecher Nico Karstädt: „Diese Software bündelt die in der Fertigung anfallenden Daten und schafft Transparenz über die laufenden Prozesse. Außerdem unterstützt sie die Auftragsfeinplanung und ermöglicht so eine flexible und schnell anpassbare Produktion.“

Solche konkreten Vorschläge hatte sich Andrea Fischer erhofft. Für die Werkleiterin von GKN Driveline war die Zusammenarbeit mit der FH Kiel eine Premiere: „Ich muss zugeben, dass ich zunächst skeptisch war, ob die Studierenden ihre theoretischen Kenntnisse wirklich in unsere betrieblichen Abläufe übertragen können. Aber es ist gelungen. Die Teams haben Lösungsansätze gefunden, die wir bei der Umsetzung bereits angestoßener Maßnahmen berücksichtigen werden.“

„Die Fachhochschule greift Aufgabenstellungen aus der Industrie gerne auf und stellt sich damit ihrer regionalen Verantwortung“, betont Prof. Dr.-Ing. Jürgen Mallon, der das Projekt gemeinsam den Professoren Dr.-Ing. Henning Strauß und Dr.-Ing. Bernd Finkemeyer betreut. Die Erfahrung zeige, dass der Lerneffekt für die Studierenden besonders groß sei, wenn sie Themen der Digitalisierung in einem Unternehmen bearbeiten und gemeinsam mit Mitarbeitenden und Unternehmensleitung konkrete Lösungen entwickeln können.

Ein Foto für Ihre Berichterstattung können Sie unter folgendem Link herunterladen:
www.fh-kiel.de/pressefoto/2020/gruppenfoto_gkn_driveline.jpg
(BU: Vom Hörsaal in die Werkhalle: FH-Kiel-Studierende entwickeln Verbesserungsvorschläge für den Kieler Automobilzulieferer GKN Driveline. Foto: Matthias Pilch)

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