Deutsches Institut für Virtual Reality nominiert Student der Fachhochschule Kiel für Science Award

Erstellt von Frauke Schäfer

Die Zeiten, in denen Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) ausschließlich in der Gaming-Szene genutzt wurden, sind vorbei. FH-Kiel-Student Tim Waldron entwickelt im Rahmen seiner Masterthesis ...

Die Zeiten, in denen Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) ausschließlich in der Gaming-Szene genutzt wurden, sind vorbei. FH-Kiel-Student Tim Waldron entwickelt im Rahmen seiner Masterthesis eine VR-Anwendung für die Diagnostik bei Parkinsonpatient*innen. Das Deutsche Institut für Virtual Reality (DIVR) nominierte das Projekt für den Science Award in der Kategorie „best impact“, die Entscheidung fällt Ende August.

Über 250.000 Menschen sind in Deutschland von Morbus Parkinson betroffen. Parkinson zeichnet sich durch typische Symptome, wie das Zittern von Armen und Beinen, Bewegungsstörungen, Gleichgewichtsprobleme und einen instabilen, gebeugten Gang aus. Die Symptome kennt Tim Waldron sehr gut, seine Großmutter lebt seit Jahren mit der Krankheit.

Nun entwickelt der 29-Jährige eine Diagnostikmethode für Parkinsonpatient*innen, bei der er eine VR-Brille mit integriertem Eye-Tracker einsetzt. Den Tracker nutzt Waldron, um den Vestibulookulären Reflex, kurz VOR, zu messen. Dieser ermöglicht es, beim Drehen des Kopfes Objekte zu fokussieren, indem sich die Augen automatisch stabilisieren. Bei Parkinsonpatient*innen kann es ab einem fortgeschrittenen Stadium zu Störungen des VOR kommen, so dass die Betroffenen Probleme bei der Objektfokussierung entwickeln. Forscher*innen vermuten, dass Erkrankte aus diesem Grund regelmäßig hinfallen.

Mit dem VR-Eye-Tracker könne er nicht nur die Augen, sondern auch die Kopfbewegung und damit das Zusammenspiel beider messen, erklärt Waldron: „Das ist insbesondere für die Messung des VOR interessant, weil sich hier das Auge entsprechend der Kopfbewegung stabilisiert. Wenn der Kopf sich nach rechts dreht, bewegt sich das Auge automatisch nach links, um den fokussierten Punkt weiter zu sehen. Im Prinzip ähnlich wie die Stabilisierung der Luftblase in einer Wasserwaage.“

Mit seiner Software testet Waldron zunächst, wie sich Augen und Kopf verhalten, wenn die Probanden Punkte mit ihrem Blick folgen. Später möchte er diesen „noch recht simplen“ Versuch komplexer gestalten, so der Masterstudent der Medienkonzeption: „Mit meiner Anwendung möchte ich einen Grundstein für die Erforschung vom Potential von VR-Eye-Tracking in der Medizin legen. Nach meinen bisherigen Erkenntnissen bietet es Potential, aber die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. International besteht zwar Interesse an der VR-Technik und dem VR-Eye-Tracking, es gibt viele Ansätze und Ideen, aber keine wirklich einheitliche Methodik. Dafür ist die Technik in ihrer gegenwärtigen Form noch zu neu.“

Waldron möchte mit seiner Arbeit eine Software- und Wissensbasis erschaffen, auf der andere Wissenschaftler*innen aufbauen können. Seine Software soll zwar zunächst der Messung des VOR dienen, kann aber im Prinzip verschiedenste  Bewegungen der Augen messen und so in Zukunft völlig beliebig an die jeweiligen Fragestellungen angepasst werden. „Wir machen so viel mit unseren Augen. Ich kann mir vorstellen, dass neben Parkinson auch weitere Krankheiten durch Eye-Tracking untersucht werden können“, so Waldron.

Fachliche Unterstützung bekommt der Student von Expert*innen der Neuro-Geriatrie des Universitäts-Klinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Sie haben den Medienproducer mit Fachliteratur und Kontakten in die Forschung versorgt, geben regelmäßig fachlichen Input und stehen für Fragen bereit. Ein Testlauf der Anwendung ist – wenn alles klappt – eventuell sogar mit Parkinsonpatient*innen im UKSH geplant. Clint Hansen, der stellvertretende Leiter der Arbeitsgruppe "Neurogeriatrics Kiel" wird ihn dabei gerne unterstützen: „Die Integration neuer Technologien, wie z.B. Virtuelle Realität in die klinische Versorgung, ist sehr spannend. Das Masterprojekt von Tim Waldron ist ein wichtiger Schritt in eine spannende Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Kiel.“

Waldron möchte sein Masterstudium Medienkonzeption im September 2020 abschließen und wird dann die Fachhochschule Kiel verlassen. Seinem Forschungsgegenstand bleibt er treu. Auch in der Zukunft möchte er in der Entwicklung von Virtual und Augmented Reality, also virtueller und erweiterter Realitäten, arbeiten. Eine Karriere in der Industrie oder im Rahmen eines Startups kann sich ebenso vorstellen wie eine wissenschaftliche Laufbahn in der Forschung.

Kontakt
Tim Waldron
E-Mail: tim.waldron.91(at)outlook.com

 

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