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Ein Jahr Semesterticket – das sagen Studierende

von Kristina Langhof

Den Sonnenuntergang auf Sylt anschauen, durch die Altstadt von Lübeck schlendern, oder in Hamburg am Elbstrand sitzen und Containerschiffe beobachten - was für jemanden aus Süddeutschland nach Urlaubsaktivitäten klingen mag, sind für FH-Studierende Tagestrips. Wer sich morgens in Kiel in den Zug setzt, kann zweieinhalb Stunden später einen Strandspaziergang in Westerland unternehmen.

Ein Jahr ist es nun her, seit das landesweite Semesterticket eingeführt wurde. Es ermöglicht den Studierenden der FH Kiel nicht mehr nur die Busse und Fähren in unserer Landeshauptstadt, sondern zusätzlich alle Busse und Regionalbahnen in Schleswig-Holstein, sowie das Verkehrsnetz des HVV in den Bereichen A und B in Hamburg zu nutzen. Wir haben drei Studierende der Fachhochschule Kiel gefragt, wie sie den Alltag mit dem landesweiten Semesterticket erleben.

Laureen Wessel studiert im fünften Semester ‚Erziehung und Bildung im Kindesalter‘. Die Studentin am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit bewertet die Einführung des Semestertickets als positiv: „Ich persönlich finde das gut, das ist eine tolle Sache. Für mich lohnt sich das auch“, sagt Laureen. Gerade den Studierenden, die kein Auto besitzen, biete das Ticket eine gute Möglichkeit, mobil zu bleiben: „Man kommt bis Sylt, man kommt bis Lübeck, man kommt ja überall hin, und man kommt in ganz Hamburg gut von A nach B“. Laureen selbst hat zwar ein Auto, doch das ist seit kurzem kaputt, weshalb der öffentliche Nahverkehr für die 22-Jährige in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen wird. Bisher nutzte sie das Ticket außerhalb von Kiel hauptsächlich, um ihre Familie in Itzstedt im Kreis Segeberg zu besuchen. Obwohl die Studentin noch keinen Tagesauflug an die Küste oder nach Lübeck unternommen hat, erlebten sie und ihre Kommilliton*innen, dass ein Tagestrip mit dem Semesterticket nicht unbedingt tagsüber stattfinden muss: „Einmal sind wir nach Hamburg bis auf den Kiez gefahren und dann irgendwann früh morgens wieder zurück“, so Laureen.

Multimedia-Production-Student Christian Lendl ist im siebten Semester und nutzte das Semesterticket eine Zeit lang vor allem, um von Kiel nach Hamburg zu fahren: „Im Frühjahr habe ich ein Praktikum in Hamburg gemacht und bin tagtäglich gependelt, da habe ich wirklich massiv Geld gespart“, so Christian. Das ist nicht übertrieben, denn eine Monatskarte von Kiel nach Hamburg kostet mit dem SH-Tarif knapp 300 Euro. Bei drei Monaten Praktikum summierte sich das auf 900 Euro. Auch nach seinem Praktikum nutzt der Student des Fachbereichs Medien das Ticket ab und zu und fährt beispielsweise gerne für einen Tag nach Flensburg oder Lübeck. Das Streckennetz in Schleswig-Holstein findet er in Ordnung, hatte jedoch schon häufig Komplikationen auf der Strecke von Kiel nach Hamburg, wo Verspätungen oder Zugausfälle durchaus vorkommen. Zu seiner Familie kann Christian mit dem Semesterticket nicht fahren, denn die wohnt in Bayern. „Bis Hamburg kann ich das Semesterticket noch nehmen, und dann muss ich aber in einen ICE steigen, der mich nach Nürnberg bringt“, so der gebürtige Bayer.

Christian Paulsen studiert im fünften Semester ‚Medieningenieur‘. Er nutzt das Ticket täglich in Kiel und häufig an den Wochenenden außerhalb der Stadt. Dann besucht er seine Familie und Freunde, die in Eckernförde wohnen.  Mit der Bahn ist das in einer knappen halben Stunde möglich: „Obwohl ich auch ein Auto habe fahre ich jetzt mit dem Ticket öfter mal spontan nach Hause“, erzählt der Student. Einen großen Vorteil sieht er außerdem in den Ausflügen, die er mit Kommiliton*innen in ganz Schleswig-Holstein unternehmen kann: „Man kann spontan eine kleine Reise machen, ohne dass jemand vorher mit dem Geld planen muss.“

Dass es allerdings auch Studierende gibt, die von der Einführung des Tickets nicht begeistert sind, ist ihm bewusst: „Ich kann es aber auch verstehen, wenn es Menschen gibt, die es einfach nicht nutzen und deswegen für überflüssig und zu teuer halten“, sagt Christian.

 

Wer beim Bahnfahren immer up-to-date bleiben möchte, der sollte den Twitter-Account der Regionalbahn Schleswig-Holstein abonnieren. Hier werden rund um die Uhr Verspätungen und Ausfälle gepostet. Ebenfalls zu empfehlen ist die Nah.sh App, die alle Studierenden mit einem digitalen Ticket ohnehin schon besitzen. Die App zeigt die besten Verbindungen vom Ausgangspunkt zum Zielbahnhof an und erleichtert so die Routenplanung.

Was das landesweite Semesterticket angeht, ist Schleswig-Holstein ein Nachzügler. Andere Bundesländer wie Niedersachsen führten bereits 2018 ein solches Ticket ein, Nordrhein-Westfalen an einigen Universitäten sogar schon 2008. Im Vorfeld gingen die Meinungen, ob auch in Schleswig-Holstein ein landesweites Ticket eingeführt werden solle oder nicht, auseinander. Wie häufig und ob man das Semesterticket überhaupt verwendet, bleibt jeder/m selbst überlassen. Was unsere drei Studierenden von der FH angeht, bietet das Semesterticket ihnen eine günstige Alternative beim Pendeln, macht Wochenendausflüge durch Schleswig-Holstein möglich und auch den ein oder anderen Abend in Hamburg.

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