eine Gruppe von Menschen um ein AUV© P. Knittler
Prof. Dr. Sabah Badri-Höher und ihr Team gehen in Italien beim Emergency Local Tournament an den Start. Foto: Patrick Knittler

Mit Gretel auf Tauchfahrt in Italien

von Mariesa Brahms

Für das AUV TomKyle Team der Fachhochschule Kiel geht es am Sonntag südwärts nach La Spezia in Italien. Dort nimmt das Achter-Team um Prof. Dr. Sabah Badri-Höher am Emergency Local Tournament teil.

Wegen der Pandemie wurde der europäische Robotik-Vergleichswettkampf bereits zwei Jahre verschoben. In diesem Jahr werden endlich wieder Roboter von Teams aus ganz Europa ins Wasser gelassen. Mit dabei ist auch die Fachhochschule Kiel, vertreten durch das Team AUV TomKyle. Die derzeitigen Infektionszahlen bereiten der Projektleiterin Prof. Dr. Sabah Badri-Höher allerdings Sorgen: „Wir fahren im Konvoi mit zwei Autos nach Italien, wenn jemand krank ist, ist das ganze Team krank“, sagt die Professorin.

eine Gruppe von Menschen um ein AUV
Prof. Dr. Sabah Badri-Höher und ihr Team gehen in Italien beim Emergency Local Tournament an den Start. Foto: Patrick Knittler

Das Team besteht aus acht Personen: Neben Badri-Höher haben noch zwei wissenschaftliche Mitarbeitende und fünf Studierende an zwei Unterwasser-Robotern gearbeitet. Seit 2019 werden sie regelmäßig in der Schwentine sensibilisiert, um Objekte zu identifizieren, den Meeresgrund zu erkunden und eigenständig Aufgaben zu erledigen. Das Roboter-Duo hat sogar einen Namen: Hänsel und Gretel heißen die beiden.

Der Hintergrund ist einfach erklärt: Während Gretel mithilfe von Schallsignalen die Umgebung inspiziert, nimmt Hänsel diese dann mit zwei Kameras auf. So ergänzen sich die beiden auf  ihrem Weg durch Unterwasserwelten, wie die beiden Geschwister in Grimms Märchen auf dem Weg durch den finsteren Wald.

„Für uns gibt es an der Fachhochschule direkt vor der Tür perfekte Übungsvoraussetzungen“, schwärmt Badri-Höher. Zuvor hat das Team, das seit 2013 zusammen forscht, auch öfter im Schwimmbad der Universität trainiert. Die Schwentine bietet allerdings ein viel realistischeres Umfeld und ermöglicht es so, sich optimal auf Wettkämpfe vorzubereiten.

In Italien geht der Wettkampf eine Woche lang. An jedem Tag müssen die Teams ihre Roboter verschiedene Aufgaben durchlaufen lassen. Wer am Freitag am meisten Punkte gesammelt hat, liegt in der Gesamtwertung vorn. Das ist dem Team der Fachhochschule Kiel im Jahr 2019 schon einmal gelungen: „Die Jahre davor waren wir schon oft auf dem zweiten Platz, aber von allen Teams das beste zu sein, ist natürlich eine besondere Auszeichnung“, erinnert sich Badri-Höher.

ein autonomes Unterwasserfahrzeug
Das AUV Gretel wurde eigens für den Wettbewerb mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet. Foto: Mariesa Brahms

In einer Tiefe von circa 50 Metern muss „Hexe“ in der kommenden Woche in verschiedenen Durchläufen ihr Bestes geben. Einer davon wird das Arbeiten an einer Pipeline beinhalten. Die muss zunächst lokalisiert und erkundet werden, bevor der Roboter schließlich an einem Leck andockt, um Wartungs- und Reparationsarbeiten zu simulieren.

Das Aufgabenfeld von Hänsel, Gretel und ihren Kolleg*innen liegen beispielsweise in der Inspektion von Offshore-Gebieten oder im Mapping, also dem Erkunden von unbekannten Meeresgründen.

Im Vordergrund stehen für das AUV TomKyle die neuen Erfahrungswerte, der Austausch mit den anderen Teams und der Spaß an der Sache. Natürlich geht es auch darum, einen Zwischenstand vom Fortschritt des Projektes um Hänsel und Gretel zu bekommen. Das Projekt endet übrigens im Februar nächsten Jahres. Aber Badri-Höher möchte auch in den darauffolgenden Jahren an ihrer Forschung im Rahmen eines neuen Projektes weiterarbeiten.

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