Lilly Wellershaus, FJSlerin am Mediendom© Kuhn

Wegweisendes Jahr im Mediendom geht zu Ende

von Lena Kuhn

Im September 2020 begann Lilly Wellershaus ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ) am Mediendom der Fachhochschule Kiel. Schon damals war sie begeistert von Mediendomen (zu lesen in ihrem ersten Interview mit der Redaktion). Für einen Spaziergang auf dem Campus, um das Jahr gemütlich Revue passieren zu lassen, hat sie jedoch kurzfristig keine Zeit. Denn die Pflicht ruft: Am Abend soll „Kabale und Liebe“ des Sommertheaters Kiel in das Audimax der Fachhochschule übertragen werden. Lilly ist im Team des Mediendoms fest verankert – an diesem Abend wird sie die Tickets der Besucher*innen kontrollieren. Auf die Frage, ob sie sich als fester Bestandteil des Ensembles sehe, nickt sie. Vor kurzem hat sie eine weitere E-Mail-Adresse erhalten, unter der sie nach dem Ende des FSJ erreichbar sein wird. „Ich arbeite ab Oktober als Hiwi hier“, erzählt sie stolz. Denn: „Ab dann studiere ich an der Uni in Kiel – Meteorologie.“

Worum es in der Meteorologie geht, ist gar nicht so einfach zusammenzufassen. „Man beschäftigt sich im Studium viel mit dem Klima, der Atmosphäre und dem Wetter.“ Das eröffne Türen in verschiedene Felder, sei es Wetterprognose oder alternative Energien. Aha, Himmelskunde also. Da war das Jahr im Mediendom, der einen Schwerpunkt auf Astronomie gelegt hat, ja ein voller Treffer, oder? Auf diese Frage muss Lilly lachen. „Ja, auf jeden Fall, und es hat mich in Kiel festgehalten“, erklärt die gebürtige Hamburgerin. Neben dem Mediendom schätzt Lilly an Kiel die Nähe zum Wasser und die Möwen sehr, das machte die Standortwahl einfach. Dass sie später mal Meteorologin wird, das hätte sie sich vor dem FSJ nicht vorstellen können. Sie war schon während der Schulzeit an Physik und Kunst sehr interessiert. Ausschlaggebend sei aber das Jahr im Mediendom gewesen: „Das hat mir gezeigt, was es alles gibt, und was ich machen möchte.“

„Spannend, vielseitig, und auch herausfordernd.“ So würde Lilly ihr FSJ zusammenfassen. Die Herausforderung, so beschreibt sie, ergab sich vor allem durch Corona. „Ich konnte zum Start meines FSJ zwei Monate lang in Präsenz arbeiten, aber dann ging es ins Homeoffice.“ Dennoch konnte sie die Technik im Dom erlernen und den Kundenservice unterstützen. Das Homeoffice sei zwar eine Umstellung gewesen, aber habe sich als ganz praktisch zum Planen ihres FSJ-Projektes erwiesen.

Zum Absolvieren eines Freiwilligen Sozialen Jahres müssen Freiwillige immer ein eigenständiges Projekt an ihrer Einsatzstelle organisieren. In Lillys Fall waren das Vorlesestunden, „Geschichten für neugierige Lauscher*innen“, die sie gemeinsam mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein veranstaltete. Dazu kontaktierte sie zunächst verschiedene Verlage. „Die haben mir Kinderbücher zugeschickt, die sich mit Astronomie und der Entdeckung der Welt befassen“, schildert Lilly. Nachdem sie die Kinderbücher gesichtet und einige herausgesucht hatte, bekam der Mediendom Besuch von den Lesepat*innen des Literaturhauses. Während der Veranstaltungen lasen sie in drei Abschnitten jeweils zwei Geschichten im Mediendom. „Zwischen den Abschnitten habe ich in der Kuppel Sternenbilder gezeigt.“ Eine Vorleseveranstaltung wurde so quasi zu einer Nacht mitten am Tag. „Am Anfang ließ ich auf der Kuppel die Sonne untergehen, zwischen den Geschichten sahen die Kinder dann verschiedene Sternbilder, und am Ende gab es einen Sonnenaufgang“. Die Zuschauer*innen, Kinder zwischen sechs und neun Jahren, waren hellauf begeistert.

Am 21. August findet die letzte Veranstaltung der Reihe statt. Tickets können online auf der Seite des Mediendoms gebucht werden. Für Lilly ist es die letzte Veranstaltung im Mediendom, bevor es dort im Oktober als Hiwi weitergeht.

Anderen kann sie nur empfehlen, auch ein FSJ zu machen. „Man lernt sich selbst anders kennen und hat einfach die Zeit, sich auszuprobieren und was komplett Anderes kennenzulernen.“ Sonst, gibt  sie zu bedenken, ginge es nach der Schulzeit sofort weiter mit Ausbildung oder Studium. „Das Jahr Pause“, sagt sie, „ist einfach total cool.“

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