Alter im Wandel

von Karina Dreyer

Das Thema Alter ist unsexy und wird gerne ignoriert, weiß Rainer Fretschner. Der Professor für Soziale Arbeit mit alten Menschen beschäftigt sich an der FH Kiel in Lehre und Forschung mit den sozialen und ökonomischen Folgen des demografischen Wandels und der Alterung der Gesellschaft. Da diese spürbar voranschreite, könne sie nicht mehr ignoriert werden: „Seit 40 Jahren weiß man von diesem Prozess, aber die Soziale Arbeit hat ihn verschlafen“, ist er sich sicher.

Rainer Fretschner

Nach seinem Zivildienst in einem Altenpflegeheim in Meersburg am Bodensee studierte Rainer Fretschner Sozialwissenschaften in Bochum. Schon während der Promotion legte er seinen Forschungsschwerpunkt auf die Soziale Arbeit mit Seniorinnen und Senioren. (Fotos: Karina Dreyer)

Bis zum Jahr 2050 soll die Bevölkerung in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund sieben Millionen Menschen auf 75 Millionen schrumpfen. Die Gesellschaft wird sich durch die niedrigen Geburtenraten und die damit einhergehende Übersterblichkeit spürbar verändern. „Es wird immer mehr ältere und hochaltrige Menschen geben, zudem wird die Altersqualität der nicht mehr Erwerbstätigen steigen“, betont Fretschner. Im Jahr 2030 kommen Statistiken zufolge bundesweit 70 Rentnerinnen und Rentner auf 100 Erwerbstätige. In Schleswig-Holstein sind es heute 36 pro 100 Erwerbstätige, 2030 werden es 54 sein.

Die Demografie, so Fretschner, könne man nicht beeinflussen, wohl aber deren Folgen. Daher sollte sich die Gesellschaft dem Wandel mit neuen Versorgungsstrukturen und Angeboten anpassen, das Thema Alter müsse in der Sozialen Arbeit und in der Praxis der Sozialpolitik fest verankert werden. „Die Altersarmut wird künftig zunehmen, vor allem bei den Menschen ab 75 Jahren mit zunehmender Pflegewahrscheinlichkeit“, prognostiziert der 42-Jährige. Wer heute alt ist, gehört noch zu den einkommensstarken Jahrgängen, „das ist die reichste Generation überhaupt. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben noch eine Normalerwerbsbiografie, mehr Rente und zusätzlich auch noch geerbt“, so der Experte. Sie sind die Seniorinnen und Senioren der klassischen Kriegsgeneration, „sind zufrieden und dankbar. Sie fordern nicht aktiv ein“.

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