Dass ich den Faden verliere in meinem Leben …

von Esther Geißlinger

„Weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ – so lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Mit fortschreitender Krankheit können Betroffene in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sein. (Foto: Tyll Riedel)

„Weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ – so lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Mit fortschreitender Krankheit können Betroffene in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sein. (Foto: Tyll Riedel)

Eine Studie über Demenzkranke am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Kiel zeigt: Für die erste Phase des Vergessens fehlen passgenaue Angebote. Betroffene und Angehörige berichteten.

Es gab da diesen Abend in der Kneipe: Der Mittsechziger erzählte seinen Stammtischbrüdern eine Geschichte über einen Bekannten, der sogar anwesend war. Er sah den Mann, aber „sein Name fiel mir einfach nicht ein. Und ich hab dann eine ganze Zeit geschwiegen und konnte auch nicht weitererzählen, weil mich das richtig erschüttert hat“. Da war es, das Schlüsselerlebnis, das dem Mann deutlich machte, dass sich etwas verändert hat in seinem Leben. Dass das Vergessen anfängt. „Oft beginnt der Prozess schleichend. Solche Momente werden in der Regel erst im Nachhinein rekonstruiert“, sagt Gaby Lenz. Die Professorin am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel leitete gemeinsam mit ihrer Kollegin, Professorin Marita Sperga, eine Studie über „Frühdemenz aus Subjektsicht und Anforderungen an die kommunale Vernetzung“. Im Projektzeitraum, der von April 2009 bis Mai 2012 dauerte, befragte das Forschungsteam Demenzkranke und Angehörige zu ihren Ängsten und Wünschen, ihren Bedürfnissen und ihren Erfahrungen mit professionellen Betreuerinnen und Betreuern und Hilfskräften. Auch „Profis“ aus Beratungsstellen und Praxen berichteten von ihrem Arbeitsalltag, mehrere Kooperationspartner unterstützten die Studie.

Die Ergebnisse sollen helfen, „Anforderungen an regionale Angebots- und Vernetzungsstrukturen zu formulieren“. Ein besonderes Augenmerk gelte hierbei dem Zusammenspiel haupt- und ehrenamtlicher Unterstützungsangebote und der Selbsthilfe, heißt es im Abschlussbericht, der Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Denn zurzeit passen die Hilfen nicht zu den Wünschen der Kranken und ihrer Familien – so zumindest beklagen es viele Interviewpartnerinnen und -partner der Studie.

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