Dass ich den Faden verliere in meinem Leben …

Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im nördlichsten Bundesland leben laut Angaben der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein heute mehr als 46.000 Menschen mit einer Demenz. Da die Krankheit in der Regel Ältere erfasst, wird die Zahl der Betroffenen parallel zum demographischen Wandel stetig wachsen. Statistiken gehen davon aus, dass es 2050 rund 72.000 Betroffene in Schleswig-Holstein und bundesweit etwa zwei Millionen Erkrankte geben wird. Dabei reicht das Feld vom Massenleiden Morbus Alzheimer, bei dem Nervenzellen im Gehirn absterben und sich gleichzeitig Eiweiß-Fasern ablagern, bis zur frontotemporalen Demenz, bei der der Stirn- und Schläfenbereich – der Fronto-Temporal-Lappen – betroffen ist. Diese Form kann schon junge Menschen treffen. Zwar bekennen sich schon einzelne Prominente, etwa der Fußballmanager Rudi Assauer oder der Fantasy-Autor Terry Pratchett, zur Diagnose, dennoch ist die Vergessens-Krankheit für die meisten eher ein Thema, über das nicht gesprochen wird. „Kein Tabu“, meint Gaby Lenz. „Aber etwas Privates, das im Bekanntenkreis so schwer anzusprechen ist wie das Einkommen oder die eigene Sexualität.“ Das Bedrohliche an Demenz seien das veränderte Sozialverhalten und der Kontrollverlust. Der besteht zwar auch bei körperlichen Krankheiten, aber „die kognitive Kontrolle wird in unserer Gesellschaft besonders hoch bewertet“, sagt Lenz. Entsprechend ängstige eine Demenz.

Das erleben auch viele, die Gedächtnisverlust an sich beobachten und versuchen, diesen in ihrem Umfeld zu thematisieren: „Andere wehren das Problem ab“, so eine Interviewpartnerin. „Das will niemand hören und niemand nimmt das an. Es wird sofort lächelnd überspielt.“ Auch Angehörige leiden unter dem Nicht-wissen-wollen der Umwelt: Eine Frau berichtete, sie vermeide das Thema, weil sie es nicht aushalten könne, nicht ernst genommen zu werden.

Sogar Ärztinnen und Ärzte reagieren mit Unglauben und Zweifel, vor allem, wenn die Erkrankten scheinbar noch zu jung für eine Demenz sind. Aus Sicht der Betroffenen erfassen die üblichen Tests nicht das, worunter Kranke und Angehörige im Alltag am meisten leiden – entsprechend unverstanden fühlen sie sich mit ihren Sorgen. „Über Alzheimer werden Witze gemacht, manche Ärzte wiegeln ab, wenn jemand mit der Vermutung kommt“, so Lenz. „Gerade Fachleute sollten anders reagieren.“

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