Dass ich den Faden verliere in meinem Leben …

Die Einschätzung der Befragten, es gebe zu wenige Angebote im Land, teilt Staack nur teilweise. Gerade in den größeren Städten stünden durchaus Gruppen und Beratungsstellen zur Verfügung. Im Internet finden Betroffene und Angehörige weitere Tipps. Ganz neu ist eine „Modellwohnung“ in Norderstedt, in der praktische Hilfsmittel für das Leben mit Demenzkranken vorgestellt werden. Auch an Schulen informiert die Alzheimer Gesellschaft über die Krankheit. „Aber gerade Frühbetroffene sind oft gar nicht interessiert an diesen Hilfen, sondern versuchen noch sehr lange, allein zurecht zu kommen“, weiß Staack. „Sie wollen nicht, dass die Nachbarschaft von der Diagnose erfährt. Das hindert gerade in kleineren Orten daran, eine Gruppe aufzusuchen.“ Der Geschäftsführer des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaft ist sich nicht sicher, ob es für Demenzkranke grundsätzlich sinnvoll ist, sich zu outen: „Wer stark genug ist, soll es gern tun – es ist wichtig, dass es einzelne gibt, die damit für die Krankheit sensibilisieren. Doch ich würde nicht jedem raten, sofort mit dieser Diagnose herauszukommen.“

Auf einer Fachtagung an der FH Kiel stellte das Projektteam die Ergebnisse der Studie vor: (v.l.n.r) Prof. Gaby Lenz, Norbert Schmelter (Pflege LebensNah Rendsburg), Prof. Marita Sperga, Barbara Wirkner (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Brigitte Voß (Pflege LebensNah Rendsburg), Stephan Dettmers (Universitätsklinikum Schleswig- Holstein), Dr. Petra Richter (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Swen Staack (Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein), Ulrich Mildenberger (Pflegestützpunkt im Kreis Segeberg). (Foto: einfach machen Unternehmenskommunikation GmbH)

Auf einer Fachtagung an der FH Kiel stellte das Projektteam die Ergebnisse der Studie vor: (v.l.n.r) Prof. Gaby Lenz, Norbert Schmelter (Pflege LebensNah Rendsburg), Prof. Marita Sperga, Barbara Wirkner (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Brigitte Voß (Pflege LebensNah Rendsburg), Stephan Dettmers (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Dr. Petra Richter (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Swen Staack (Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein), Ulrich Mildenberger (Pflegestützpunkt im Kreis Segeberg). (Foto: einfach machen Unternehmenskommunikation GmbH)

Demenzkranke im frühen Stadium wurden bisher kaum wissenschaftlich untersucht. So hatte sich das Team des Forschungsprojekts vorgenommen, das Wissen und Erleben der Betroffenen in den Mittelpunkt zu rücken. Gefördert wurde die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Fachhochschule Kiel suchte regional verankerte Praxispartner, vor allem im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in der Stadt Kaltenkirchen, die als Modellorte ausgesucht wurden. Aber auch in Frankfurt am Main gab es mit dem Institut für familiale und öffentliche Erziehung, Bildung, Betreuung e.V. (Ifoebb) einen Kooperationspartner, mit dem die Kieler Projektgruppe ihre Ergebnisse nach Hessen transformierte. Für Lenz und Sperga war ein wichtiger Aspekt, dass das „Unterstützungsarrangement“ für Demenzkranke eine künftige Aufgabe der Sozialen Arbeit sein könnte, schließlich gehe es „im Wesentlichen um gesellschaftliche Teilhabe sowie die Identifizierung und Förderung von individuellen und Netzwerk-Ressourcen“.

Professorin Lenz befasst sich auch nach Abschluss des Forschungsprojektes weiter mit dem Thema „Frühdemenz“. Zurzeit erfasst sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Professorin Christiane Micus-Loos systematisch die Angebote für Demenzkranke und deren Angehörige. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf ambulanten Hilfen, die es Menschen ermöglichen, lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

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