Kitas und andere soziale Einrichtungen in Kopenhagen

Eine Exkursion des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit

Gastbeitrag von Prof. Raingard Knauer

(Fotos: Raingard Knauer)

(Fotos: Raingard Knauer)

Unser Verständnis von der eigenen professionellen Praxis und unserem Fachgebiet – in unserem Fall die Pädagogik der Kindheit – können wir vor allem durch einen Blick auf andere Kulturen erweitern. So führte uns, Studierende und Lehrende des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel, unsere diesjährige Exkursion nach Kopenhagen. Folgende Fragen hatten wir im Gepäck: Wie organisieren die Dänen die Kinderbetreuung? Wie sieht das frühkindliche Bildungssystem in unserem Nachbarland aus? Welche Erziehungs- und Bildungsstandards bestehen in den Kindertageseinrichtungen? Gibt es Unterschiede in den Erziehungs- und Bildungsvorstellungen? Und was können wir von den dänischen Einrichtungen lernen?

Exkursion-Kopenhagen-2013-GruppenfotoVom 17. bis zum 20. September 2013 besuchten wir (insgesamt 34 Studierende und mehrere Lehrende der FH Kiel: Prof. Dr. Sylvia Kägi, Prof. Dr. Raingard Knauer, Kathrin Aghamiri, Anita Gruber, Prof. Dr. Fabian Lamp, Prof. Dr. Ariane Schorn, Prof. Dr. Marita Sperga), der Universität Köln (Prof. Dr. Ursula Stenger, Gerold Laschke) und der Fachschule Verden (Cornelia Barden) Kopenhagen, um Theorie und Praxis der dänischen Kita-Pädagogik und anderen sozialen Einrichtungen kennenzulernen.

Die Universität Kopenhagen Professionshøjskolen UCC Pædagoguddannelsen Frøbel lieferte uns beispielsweise Einblicke in das akademische Bildungsprogramm pädagogischer Fachkräfte für dänische Kindertageseinrichtungen. So gibt es viele Möglichkeiten für Studierende, sich selbst z. B. in verschiedenen musisch-ästhetischen Bereichen (Musik, Verkleidung, Kunst etc.) auszudrücken.

Im Rahmen von Hospitationen konnten wir in neun Kindertageseinrichtungen Unterschiede zu den unsrigen entdecken und begegneten gleichzeitig dennoch sehr vielen bekannten Diskursen und Einblicken. So werden in Dänemark Mädchen und Jungen zum Beispiel vorrangig als Bestandteil der Gruppe beobachtet und weniger als individuelle Kinder.

Beim Besuch der integrativen Schule Skolen i Peter Vedels Gade lernten wir durch einen lebendigen Vortrag, die Welt durch die Augen eines autistischen Kindes zu sehen. Pädagogik kann zu einem Mittler werden, um Mädchen und Jungen mit Autismus Zugänge zur Gesellschaft zu eröffnen.

Der Einblick in die Arbeit „fremder“ Institutionen hat auch bei dieser Exkursion dazu beigetragen, unseren Blick auf den eigenen pädagogischen Alltag zu schärfen. Vieles wiederzuerkennen und doch Unterschiede zu entdecken – so lautet das Fazit vieler Studierender. In dänischen Kitas werden Kinder in ihren Lebenswelten gesehen. Pädagogik wird dort als Brückenbauer verstanden, um die Teilnahme aller an der Gesellschaft zu ermöglichen, so die Erfahrung der Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Auch viele ähnliche Probleme zwischen den Ländern wurden deutlich. So empfinden die dänischen Kitas ebenfalls einen zunehmenden „Bildungsdruck“ aufgrund von Bildungsplänen, die in der Folge der Pisa-Untersuchungen für Kitas entwickelt wurden. Interessant ist auch das Spannungsfeld der Akademisierung pädagogischer Fachkräfte: Einerseits gibt es einen hohen Anteil akademisch ausgebildeter Fachkräfte in den Kitas, andererseits auch einen hohen Anteil an nicht-ausgebildeten Angestellten, was zu einer sehr heterogenen Mischung führt.

Exkursion-Kopenhagen-2013-Fahrraeder.pngAber nicht nur der pädagogische Austausch war spannend. Ebenso interessant war ein Besuch im „Freistaat Christiania“, einer seit 1971 bestehenden und geduldeten autonomen Kommune im Zentrum Kopenhagens, die sich seit 1971 nach eigenen basisdemokratisch gestalteten Regeln organisiert. Eine Form alternativen Wohnens, die für viel Diskussion sorgt. Darüber hinaus konnten wir uns davon überzeugen, dass Kopenhagen gute Chancen hat, das Ziel zu erreichen, bis 2025 die erste klimaneutrale Stadt der Welt zu werden: Das Fahrrad scheint dort eines der Hauptfortbewegungsmittel zu sein – trotz Hagel und Gewitter.

Eine solche Exkursion gibt immer nur einen partiellen Einblick in den pädagogischen Alltag. Wir wissen nach wie vor nur wenig über die Arbeit in Kitas, nehmen jedoch inspirierende Eindrücke mit nach Deutschland und freuen uns auf die nächste Exkursion.

Wer wissen möchte, wie die Kinderbetreuung in Schweden aussieht, ist herzlich eingeladen zur Fachtagung „Für die Kleinsten das Feinste – Kindheitspädagogik in Schweden und Schleswig-Holstein“ am 11. November 2013 von 9:30 bis 15:30 Uhr im Mehrzweckgebäude der FH Kiel.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.