„Wir haben die Welt nur geliehen …“

von Sigrid Werner-Ingenfeld

Nachhaltigkeit bei der Produktion von Käse – Forschungsprojekt des Fachbereiches Agrarwirtschaft mit der Käserei Holtsee

Käse ist nicht gleich Käse: Da gibt es den milden, der auf der Zunge sanft zergeht, den würzig harten, der monatelang im Käsekeller gereift ist oder den foliengereiften, der so gern in Russland konsumiert wird. Und es gibt den nachhaltigen Käse. Was, bitte schön, ist das?

Käselaibe beim Reifen: Geschäftsführer Hartmut Kittler ist stolz auf den herzhaften Bernsteiner – einer der vielen Tilsitersorten der Käserei Holtsee. (Foto: Marc Schulz)

Käselaibe beim Reifen: Geschäftsführer Hartmut Kittler ist stolz auf den herzhaften
Bernsteiner – einer der vielen Tilsitersorten der Käserei Holtsee. (Foto: Marc Schulz)

Die Antwort auf diese Frage geben – wie aus der Pistole geschossen – Prof. Dr. Holger Thiele, Agrarwirtschaftler der FH Kiel und Hartmut Kittler, Geschäftsführer der Käserei Holtsee. „Wir gucken uns an, wie viel Treibhausgas bei der Erzeugung, Verarbeitung und beim Transport von Milchprodukten ausgestoßen wird, und Ziel der Nachhaltigkeit ist es, diese Treibhausgase wie CO2 zu verringern“, erklärt Prof. Holger Thiele sein Projekt, das unser Klima schützen und nicht weiter anheizen soll. „In unserer Käserei haben wir die Energieerzeugung mit dem Bau einer eigenen Energiezentrale modernisiert. Ziel ist es, die Energie, die wir bei der Erhitzung der Milch und beim Abkühlen des Käses brauchen, so effizient wie möglich einzusetzen und das heißt auch einzusparen“, sagt Hartmut Kittler.

Wer sich dem Dorf Holtsee zwischen der Eckernförder Bucht und dem Wittensee nähert, sieht die hoch aufragenden silbern glänzenden Türme der neuen Energiezentrale für die Käserei schon von weitem. Wurde bis Mitte vergangenen Jahres die Käseproduktion überwiegend mit Öl betrieben, so ist jetzt Gas die Energiequelle. Außerdem wird die Abwärme, die zum Beispiel bei der Produktion von Eiswasser anfällt, wieder in den Energiekreislauf gespeist.

Bis aus der Rohmilch, die von Kühen aus der schleswig-holsteinischen Region stammt, Käse geworden ist, muss eine Menge Energie eingesetzt werden. 120 Millionen Liter Milch verarbeitet die Käserei pro Jahr. Allein pro Tag koste das 15.000 Kilowattstunden Strom, erläutert Tim Hansen, technischer Leiter in Holtsee. Bei solchen Zahlen kann einem schon der Kopf schwirren, erst recht in der Nähe der lärmenden riesigen Maschinen, die allein für das benötigte Wasser (350.000 Liter am Tag!) die Energie liefern. Hinzu kommen noch Dampf, Druckluft und Eiswasser für die Herstellung des goldgelben Tilsiters, der in der sechs Grad kalten Lagerhalle auf den Abtransport wartet.

„Käse braucht eben viel Rohstoff“, sagt Prof. Thiele und erklärt damit, warum die Wissenschaft Nachhaltigkeitsanalysen gerade an diesem Lebensmittel vornimmt. „Sie brauchen zehn Liter Rohmilch, um ein Kilogramm Käse zu erzeugen, der Rest – nämlich neun Liter – sind Molke“.

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