Eine Frau© M. Pilch

Heute in der Reihe „Wie wird man ei­gent­lich Pro­fes­sor*in?“: Petra Di­ckel

von Aenne Boye

Pro­fes­so­rin Petra Di­ckel lehrt seit dem Win­ter­se­mes­ter 2018/19 an der FH Kiel. Als Pro­fes­so­rin für Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on lie­gen ihre Schwer­punk­te in der Markt- und Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­ti­on, der quan­ti­ta­ti­ven For­schung sowie der Kom­mu­ni­ka­ti­on im Kon­text von Start-ups. Mit Aenne Boye sprach sie über ihren Wer­de­gang.

Sie haben nicht so­fort nach dem Stu­di­um pro­mo­viert, son­dern erst ein­mal in einem Un­ter­neh­men ge­ar­bei­tet. Woher kam Ihre Mo­ti­va­ti­on für die wis­sen­schaft­li­che Lauf­bahn?

Ich habe In­ter­na­tio­nal Busi­ness Stu­dies an der Uni­ver­si­tät Pa­der­born stu­diert und in die­ser Zeit auch als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft am Lehr­stuhl für Ab­satz-, Kon­sum- und Ver­hal­tens­for­schung ge­ar­bei­tet. In den Hoch­schul­be­trieb in­vol­viert zu sein, hat mir Spaß ge­macht. Nach dem Stu­di­um habe ich dann von 2000 bis 2004 bei Kraft Foods in Bre­men ge­ar­bei­tet. Das Un­ter­neh­men ist zum Bei­spiel für seine Mar­ken Ja­cobs, Milka und Phil­adel­phia be­kannt. Mein Job hat mir Spaß ge­macht, aber mir hat die tie­fer­ge­hen­de wis­sen­schaft­li­che Be­schäf­ti­gung mit den The­men ge­fehlt.

In was für einer Po­si­ti­on haben Sie bei Kraft Foods ge­ar­bei­tet?

Dort war ich als Brand Ma­na­ger für „Cof­fee & Snacks“ im Busi­ness-to-Busi­ness-Mar­ke­ting tätig. In mei­nem Be­reich haben wir Kaf­fee und Süß­wa­ren für Gro­ß­ver­brau­cher an­ge­bo­ten, die diese Pro­duk­te dann wie­der­um an die End­kon­su­men­ten wei­ter­ver­kauf­ten. Unter den Gro­ß­ver­brau­chern waren zum Bei­spiel Kan­ti­nen, Sys­tem­gas­tro­no­men und Au­to­ma­ten­be­trei­ber. Kon­kret habe ich Pro­duk­te für un­se­re Ge­schäfts­kun­den ent­wi­ckelt, Pro­mo­ti­ons- und Ver­triebs­stra­te­gi­en er­ar­bei­tet sowie Events or­ga­ni­siert. Mar­ke­ting war üb­ri­gens auch einer mei­ner Schwer­punk­te im Stu­di­um. Mit mei­ner Pro­fes­sur für Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on bin ich nun wie­der nah an die­sem Thema.

Wie kam es zu dem Wech­sel an den Lehr­stuhl für Grün­dungs- und In­no­va­ti­ons­ma­nage­ment an der Chris­ti­an-Al­brechts-Uni­ver­si­tät zu Kiel (CAU)?

Mir war klar, dass ich wie­der wis­sen­schaft­lich ar­bei­ten möch­te. Des­halb habe ich mich nach Stel­len an Hoch­schu­len im Nor­den um­ge­se­hen. Die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le an der CAU stell­te sich als sehr gute Ent­schei­dung her­aus. Ich war schon immer an den The­men In­no­va­ti­on und Un­ter­neh­mens­grün­dung in­ter­es­siert und konn­te mich schnell für das Thema be­geis­tern. Pro­mo­viert habe ich über die Frage, wie aka­de­mi­sche Spin-offs, also Aus­grün­dun­gen aus der Hoch­schu­le, früh­zei­tig Markt­in­for­ma­tio­nen ge­win­nen und nut­zen kön­nen.

Nach der Pro­mo­ti­on waren Sie an der Be­rufs­aka­de­mie der Wirt­schafts­aka­de­mie Schles­wig-Hol­stein als frei­be­ruf­li­che Do­zen­tin tätig. Da­ne­ben haben Sie Un­ter­neh­men in den Be­rei­chen Stra­te­gie und In­no­va­ti­on be­ra­ten. Was be­deu­tet das in der Pra­xis?

An der Be­rufs­aka­de­mie habe ich unter an­de­rem BWL und Mar­ke­ting ge­lehrt. Da­ne­ben habe ich Kun­den aus dem Mit­tel­stand be­züg­lich un­ter­schied­li­cher The­men be­ra­ten, zum Bei­spiel bei der Stra­te­gie­ent­wick­lung, der Durch­füh­rung von Markt­ana­ly­sen oder der An­spra­che von Kun­den. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren, war ich Ju­ni­or­pro­fes­so­rin für En­tre­pre­neur­ship an der CAU. In der For­schung und Lehre habe ich mich vor allem damit be­schäf­tigt, wie man un­ter­neh­me­ri­sches Ver­hal­ten von Stu­die­ren­den, aber auch Be­schäf­tig­ten in Or­ga­ni­sa­tio­nen, för­dern kann. Ein wei­te­rer Fokus lag auf den The­men Nach­hal­tig­keit und So­ci­al En­tre­pre­neur­ship.

Wieso fiel Ihre Wahl dann auf die FH Kiel?

Durch die Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ni­gen Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren der FH Kiel kann­te ich die Hoch­schu­le be­reits, so­dass mir das gute Ar­beits- und Lern­kli­ma be­kannt war. Ich habe mich auf die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le be­wor­ben und wurde ge­nom­men. Mein guter Ein­druck hat sich voll und ganz be­stä­tigt. Die Do­zent*innen und Stu­die­ren­den pfle­gen ein gutes Mit­ein­an­der und sind sehr en­ga­giert. Die Zu­sam­men­ar­beit ist sehr ko­ope­ra­tiv und es gibt viele span­nen­de Pro­jek­te, in die man sich ein­brin­gen kann. Die Rah­men­be­din­gun­gen sind sehr gut, um ei­ge­ne Ideen an­zu­sto­ßen und um­zu­set­zen.

Zum Schluss: Was ge­fällt Ihnen be­son­ders gut an Ihrer Ar­beit als Pro­fes­so­rin?

Die Mi­schung aus Lehre, For­schung und Pra­xis. Die viel­sei­ti­gen Auf­ga­ben und die damit ver­bun­de­nen Ge­stal­tungs­spiel­räu­me gibt es in kaum einem an­de­ren Beruf. Das ge­fällt mir.

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