eine Frau auf der Bühne© M. Brahms
Als Improvisationsmusikerin kann Anne Diedrichsen in jeder noch so unvorhergesehenen Situation kompetent reagieren. Was Teams in Organisationen von der Jazzmusik lernen können, erzählte sie bei "Science for Society?". Foto: Brahms

Science for Society? - FH-Professorin lud zum transdisziplinären Austausch ein

von Mariesa Brahms

Im Kieler Wissenschaftszentrum standen die Zeichen am 15. und 16. September auf transdisziplinären Austausch. Und zwar für alle, die fachübergreifend und lösungsorientiert Probleme der modernen Arbeitswelt und Umwelt in Zeiten multipler Krisen angehen möchten. Prof. Dr. Doris Weßels, Professorin am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Kiel, hatte zusammen mit den FOM-Kollegen Prof. Dr. Thomas Russack und Prof. Dr. Marco Zimmer sowie dem CAU-Kollegen Prof. Carsten Schultz bereits im vergangenen Jahr ein neues Konferenzformat mit dem Titel "Science for Society?" vorgestellt, das sich durch seine Themenbreite heraushebt. Gegenstand der Betrachtung sind Arbeits- und Organisationsformen der Zukunft, und diskutiert wird über den Beitrag der betriebswirtschaftlichen Forschung zur Lösung aktueller und zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen.

Die erste Keynote in diesem Jahr hielt Alexander Ohrt von opencampus.sh und zeigte das Potenzial eines modernen Bildungsverständnisses für das lebenslange Lernen auf – samt anschließender Diskussion. Lynn Kaack, Professorin für Computer Science and Public Policy an der Hertie School in Berlin, warf die Frage in den Konferenzraum, ob Künstliche Intelligenz nun Klimahelfer oder doch eben -sünder ist. Die gebürtige Kielerin ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Organisation Climate Change AI. Mit ihr tauchte das Auditorium tief ein in die Forschungsmethoden und -ansätze an der Schnittstelle zwischen maschinellem Lernen und Klimawandel.

eine Frau auf der Bühne©M. Brahms
Als Improvisationsmusikerin kann Anne Diedrichsen in jeder noch so unvorhergesehenen Situation kompetent reagieren. Was Teams in Organisationen von der Jazzmusik lernen können, erzählte sie bei "Science for Society?". Foto: Brahms

Neben den Keynotes gab es viele Beiträge von Praktiker*innen, Professor*innen und Forscher*innen. Weßels und ihre Kollegen finden, dass die Wissenschafts-Community bei den üblichen Konferenzformaten zu oft unter sich bleibt. Deswegen ist das bei „Science for Society“ nicht der Fall: „Wir wollen dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Chance geben, sich und seine Themen vorzustellen, ins Gespräch zu kommen, sich bestmöglich zu vernetzen und schließlich wichtige Erkenntnisse für ihre Forschung mitzunehmen“, sagt Weßels. Um den Nachwuchswissenschaftler*innen einen motivierenden Schubs in Richtung Austausch zu geben, hat das Organisator*innenteam mit ihrem „Call for Papers“ um Teilnahme gebeten.

Das haben sich einige Absolvent*innen nicht entgehen lassen und sind dem Aufruf gefolgt. Eine von ihnen war Anne Diedrichsen. Die frischgebackene Masterabsolventin der Fachhochschule Kiel ist eigentlich Musiktherapeutin und Jazzmusikerin. Was Betriebswirtschaftler*innen von der Jazzmusik lernen können, hat Diedrichsen im Wissenschaftszentrum der Landeshauptstadt erklärt. Am Schlagzeug sitzend zeigte sie dem Publikum am Beispiel der Improvisationsmusik, wie eine gute Performance von Teamzusammenhalt, Vertrauen und Kompetenz abhängt.

Ein bekanntes Gesicht an der Fachhochschule Kiel ist Miriam Maibaum, früher Master-Studentin und heute Dozentin am Fachbereich Wirtschaft. Im Gepäck hatte sie ihr Dissertationsthema „Reduzierung psychischer Belastungsfaktoren digitaler Arbeit in der öffentlichen Verwaltung“. Von dem „Call for Papers“ hatte sie durch eine Freundin erfahren und sich sofort beworben: „Gerade für meine weitere Forschungsarbeit ist ‚Science for Society‘ ein wirklich dankbares Format, um neue Sichtweisen auf das Problem zu bekommen“, sagt Maibaum.

ein Mann und eine Frau am Tisch, dahinter ein Monitor©M. Brahms
Auf der Konferenz nutze Miriam Maibaum die Möglichkeit, zu ihrem Dissertationsthema Meinungen und neue Perspektiven einzuholen. Foto: Brahms

In einem 15-minütigen Vortrag stellte Maibaum ihren aktuellen Stand vor, danach gab es genügend Zeit für eine anschließende Diskussion. Über offene Fragestellungen und auch neue Kooperationsmöglichkeiten tauschten sich inoffiziell die Teilnehmer*innen zwischen den Vorträgen aus, das Interesse schwand auch jenseits der Konferenzräumlichkeiten bei Kaffee und Kuchen nicht. Wissenschaft kann eben auch gesellig sein.

Maibaum hat für ihre Dissertation viele Sichtweisen und neue Ansätze sammeln können – die Teilnahme an der „Science for Society“-Konferenz hat sich für sie mehr als gelohnt. Jetzt gilt es, die vielen Eindrücke zu Papier zu bringen. Vielleicht tritt sie im nächsten Jahr bereits mit Doktortitel an, wenn im Kieler Wissenschaftszentrum wieder gefachsimpelt wird.

 

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