Vom Studenten zum Kreativ-Unternehmer: FH-Alumnus findet seine Inspiration im Alltag

Erstellt von Mariesa Charlotte Brahms

Am Anfang war die Musik. Die spielte Andreas Diekötter, heute selbstständiger Fotograf, auf der E-Gitarre in einer Big Band. Inspiriert von seinem Idol, Die-Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub, baute er sich zu Schulzeiten ein eigenes kleines Tonstudio, um seiner Leidenschaft im Heim der Eltern nachgehen zu können. Leidenschaften hatte Andreas Diekötter im Laufe der Jahre einige – darunter Legobausteine und Zaubertricks. Seine Berufung fand der 36-Jährige jedoch durch sein Studium an der FH Kiel.

 

Schon als Kind hat Diekötter Bedienungsanleitungen eher stiefmütterlich behandelt: „Interessanter war für mich immer alles drum herum“, erinnert er sich heute an die Nachmittage, an denen sein Bruder Legobausätze nach Anleitungen und er selbst nach Intuition zusammenbaute. „Ich habe das gemacht, worauf ich gerade Lust hatte.“ An seinem Beruf als Fotograf schätzt er deswegen besonders, dass seinen eigenen Vorstellungen keine Grenzen gesetzt sind. Das liegt zum einen daran, dass er selbstständig ist, zum anderen, dass die Fotografie viel Platz schafft für Selbstverwirklichung. Dass mit der Professionalisierung des Hobbies allerdings ein gewisses Maß an Ordnung, Planung und vor allem Durchhaltevermögen einhergeht, hat er auf seinem Weg zum Studium Multimedia Production an der Fachhochschule Kiel gelernt.

Die Wartesemester bis zur Zulassung überbrückte er an der Hotline eines Telefonnetzanbieters. Viel Freude hat ihm der Alltag in diesem Beruf nicht bereitet, und so empfand er den ersehnten Bescheid der Hochschule wie eine Eintrittskarte in eine interessante, selbstbestimmte Karriere. „Mein alter Job hätte mich langfristig nicht glücklich gemacht. Daran geglaubt, dass ich einmal einen so erfüllenden Beruf haben würde, habe ich zu der Zeit nicht."

Das vielleicht Beste am Studium sei gewesen, dass er auf Leute getroffen sei, die seine Leidenschaft teilten, sagt Diekötter. Den Austausch unter Gleichgesinnten habe er als besonders inspirierend empfunden. In seiner Familie gab und gibt es keine Fotografen. Und doch liegt ein kleiner Teil seiner Vorliebe im Genpool begründet: „Mein Großvater war begeisterter Leica-Sammler.“ Eine dieser Liebhaber-Objekte von Kamerasammlern steht beim FH-Alumnus im Schrank. Verglichen mit seinen aktuellen Kameras kann die Leica zwar nicht besonders viel, an emotionalem Wert ist sie für ihn nicht zu überbieten.

Seit er sein Studium mit seiner Bachelor-Arbeit über die Lichtsetzung bei 360°-Produktfotografie abgeschlossen hat, macht sich der Familienvater als Fotograf einen Namen. Wo er vor wenigen Jahren noch als Student in Laboren saß, gibt er heute, wäre nicht gerade Pandemie, Workshops und Seminare. Aufträge wie Hochzeitsfotografie oder alljährlichee Fototermine in der Kindertagesstätte setzt er nach seiner persönlichen Überzeugung um. „Ich will ein möglichst authentisches Bild schaffen, und das funktioniert nicht gestellt“, weiß Diekötter. Schließlich gibt es schon genug Bilder gelangweilter Kinder vor einheitlichem Hintergrund.

Will man etwas beherrschen, dann muss man üben. Und zwar am besten fünf Stunden am Tag, findet Diekötter. Und weil das Zuhause im Lockdown nur wenig abwechslungsreiche Motive bietet, lockt ihn der Sommer samt Familie an die frische Luft. Am liebsten hat der Kieler dort Vögel vor der Linse, eben gerne etwas Dynamisches. Wie man leblose Objekte dynamisch darstellt, lernt er in den Online-Workshops eines weiteren großen Idols, dem britischen Fotografen Karl Taylor. Und sollte er einmal so gut sein wie eben dieser, so wäre er wohl immer noch nicht fertig, denn: „Auch der beste Fotograf der Welt hat nie ausgelernt“, ist Diekötter überzeugt.

© Fachhochschule Kiel