grafische Darstellung eines Neubaus für die Studiengänge Architektur und Bauwesen© DFZ Architekten GmbH
Setzte sich gegen die internationale Konkurrenz durch: Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros DFZ Architekten GmbH. Foto: DFZ Architekten GmbH

Novum auf dem Campus der Fachhochschule Kiel

von Ann-Christin Wimber

Mit einem kleinen Festakt wurde am heutigen Mittwoch eine besondere Ausstellung an der Fachhochschule (FH) Kiel eröffnet: Bis zum 26. Oktober sind die Wettbewerbsarbeiten zum Neubau für die Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen im Bunker-D zu sehen.

Die künftige Heimat für den 2018/19 geschaffenen Studiengang Bauingenieurwesen und den in den Startlöchern stehenden Studiengang Architektur wird ein Novum auf dem Campus der Fachhochschule (FH) Kiel darstellen. Die FH hatte vorgegeben, dass die Entwürfe nicht nur eine offene, kommunikationsfördernde Struktur, sondern vor allem den Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigen sollen.

Zur Ausstellungseröffnung lobten die Redner die Besonderheit des Bauwerks. „Der Gewinnerentwurf leistet einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele des Landes: Das reicht von der Dach- und Fassadenbegrünung bis zur effizienten Nutzung von Flächen. Das fördern wir als Land mit rund 40 Millionen Euro. Zugleich schaffen wir mit dem Neubau einen Ort für die Ausbildung von dringend benötigten Fachkräften in Architektur und Bauingenieurwesen“, sagte Guido Wendt, Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Das Land finanziert den zukünftigen nachhaltigen Neubau aus Mitteln des Sondervermögens IMPULS. Prof. Dr. Björn Christensen ist überzeugt, dass der Neubau auch die Werte der FH Kiel widerspiegelt: „Mit diesem Gebäudekonzept schaffen wir die Grundlagen, dass wir in diesem Bereich klimaneutral bleiben. Das ist für uns als FH wichtig und zeigt, in welche Richtung die Schaffung neuer Einrichtungen für den Lehrbetrieb unserer Meinung nach gehen müssen.“ Heinz Schwabe von der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) ergänzte: „Klimaneutralität des Entwurfes und eine gute Gebäudestruktur für offene Kommunikation mit effizienter Flächenplanung sind kein Widerspruch, sondern in diesem Fall Beispiel für andere Bauvorhaben mit ähnlicher Nutzung.“

Als Gewinner des Wettbewerbs kürte das Preisgericht das Architekturbüro DFZ Architekten GmbH mit G2 Landschaft PartG mbB Landschaftsarchitekten aus Hamburg. „Wir sehen in unserem Entwurf nicht nur ausreichend viele Räume und Flächen vor, die die Kommunikation fördern und zugleich den Ansprüchen an modernes Raumdesign entgegenkommen“, beschrieb Stephen Kausch von DFZ Architekten GmbH seinen Siegerentwurf: „Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ressourceneinsparung soll mit dem Bau auch der Fußabdruck möglichst klein gehalten werden.“ So ist unter anderem ein Dachgarten geplant, auf dem auch Solarplatten aufgestellt werden. Die gewonnene Energie wird ins Netz eingespeist, sodass der Verbrauch verhältnismäßig geringer ausfällt. Zudem soll auf dem restlichen Grundstück die Versiegelung so gering wie möglich gehalten werden.

grafische Darstellung eines Neubaus für die Studiengänge Architektur und Bauwesen©DFZ Architekten GmbH
Setzte sich gegen die internationale Konkurrenz durch: Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros DFZ Architekten GmbH. Foto: DFZ Architekten GmbH

Um die Nachhaltigkeit zu betonen, soll der Neubau nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) in Gold zertifiziert werden. Das BNB ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten über den gesamten Lebenszyklus. Das heißt, es werden nicht nur ökologische und ökonomische, sondern auch soziokulturelle und funktionale Kriterien angesetzt.

Das künftige Baugrundstück liegt südlich des Gebäudes 6 (Schwentinestraße 7), das bislang von Mitarbeitenden und Studierenden als Parkplatz genutzt wird. Um die entfallenden Stellplätze so gut wie möglich zu kompensieren, ist eine Tiefgarage geplant.

Im Inneren wird es einen zentralen Eingangsbereich geben, dessen Charakter insbesondere durch große, offene und lichtdurchflutete Räume geprägt sein soll. Unter anderem verbindet eine offene Treppe in dem sich über drei Stockwerke erstreckenden Innenraum sämtliche Ebenen der Studiengänge.

„Das Gebäude wird einen großen Gewinn für den Campus darstellen“, meint auch Prof. Dr. Lars Appel. Der Prodekan des Fachbereichs Medien und Leiter des Instituts für Bauwesen freut sich insbesondere über die geplanten Labore, die in das Gebäude integriert werden. „Mit dieser Einrichtung wird die FH die moderne, qualitativ hochwertige Lehre gewährleisten, auf die wir Wert legen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für die akademische Ausbildung dieser wichtigen Berufe und stärken damit die Position Kiels und Schleswig-Holsteins im Wettbewerb um Fachkräfte.“

Der zweistufige Realisationswettbewerb startete im Dezember 2021. In der ersten Wettbewerbsphase haben 127 Planungsbüros aus Deutschland, Dänemark, Spanien, Belgien, Südkorea, Kroatien, den Niederlanden und der Schweiz Entwurfsideen eingereicht.

Ende Juni 2022 tagte das Preisgericht für die 2. Wettbewerbsphase im Senatssaal der FH Kiel. Dabei kamen 14 Entwürfe in die engere Auswahl, die ein Gremium aus erfahrenden Architekt*innen, Vertreter*innen der FH und der Landeshauptstadt Kiel sowie beratenden Expert*innen gesichtet und auf den Prüfstand gestellt hat.

Die Ausstellung „Wettbewerbsarbeiten zum Neubau der Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen“ ist vom 12. bis 26. Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr (mittwochs bis 20 Uhr) im Bunker-D (Schwentinestraße 1) auf dem Campus der FH Kiel zu sehen.

© Fachhochschule Kiel